FELSISA Synodalversammlung 2018

FELSISA Synodalversammlung

Am 13. September 2018 – dem 126. Gründungsjubiläum unserer Synode – versammelten sich in Pretoria 42 Delegierte und zahlreiche Gäste zur 61. Synodalversammlung der Freien Evangelisch-Lutherischen Synode in Südafrika.

Nach dem Brauch unserer Kirche, ihrer Gründung mit einem Bußgottesdienst zu gedenken, feierten wir den Eröffnungsgottesdienst der Synode als Beichtgottesdienst, brachten unsere Sünde, Gebrochenheit und Uneinigkeit vor Gott und empfingen von ihm Vergebung, Heilung und Einheit. Ortspastor Martin Paul diente als Liturg, Pastor Heinz Hiestermann (Greytown) predigte zum Leitwort der Synode: „Christus ist mein Leben“ [Phil. 1:21] und Bischof Dieter Reinstorf (Pietermaritzburg) leitete die Delegierten in ihrem Versprechen, sich für ihr Reden und Verhalten während der Synodalversammlung an die Heilige Schrift und an die Bekenntnisse der Ev.-Luth. Kirche zu binden, sich daher aller persönlichen und verletzenden Äußerungen zu enthalten und auch gegenteilige Meinungen ruhig und sachlich vorzutragen.

Pastor Marlon Hiestermann (Uelzen) eröffnete die Sitzung am Freitagmorgen mit Schriftlesung (Römer 12), Gebet und Gesang. Bischof Reinstorf begrüßte Delegierte und Gäste und bedankte sich bei der Gemeinde Pretoria für ihre Gastfreundschaft. Pastor Helmut Straeuli (Westville) wurde als Protokollführer ernannt. Bischof Reinstorf stellte den Hauptredner, Prof. Dr. Piet Meiring (NG Kerk, Pretoria) vor, der in seiner Arbeit mit der Wahrheits- und Versöhnungskommission wertvolle Erfahrungen gesammelt hat, auf die er in seinen Vorträgen zum vorgegebenen Thema „Konstruktive Antworten der Glaubensgemeinschaften auf die gegenwärtigen sozialen und politischen Herausforderungen in Südafrika“ immer wieder zurückgriff. Als Einstieg malte er uns – die sich oft wie Exilanten im eigenen Land fühlen – die Lage der Vertriebenen Israeliten im Babylonischen Exil vor Augen. Er nutzte dazu besonders Jeremias Brief an die Exilanten (Jeremiah 29): So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels, zu allen Weggeführten, die ich von Jerusalem nach Babel habe wegführen lassen:Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte; nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter, nehmt für eure Söhne Frauen und gebt eure Töchter Männern, dass sie Söhne und Töchter gebären; mehrt euch dort, dass ihr nicht weniger werdet. Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum Herrn; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl.“ Aufgrund ihrer Sünde und Unbußfertigkeit nahm Gott den Verbannten viele Gewissheiten, die für sie lange selbstverständlich waren (z.B. Land, Volk, Tempel und König) weg. Trotzdem sollten sie sich nicht aus dieser ihnen fremden Gesellschaft zurückzuziehen, sondern in sie investieren und ihr mit den Ressourcen und Fähigkeiten, die Gott ihnen geschenkt hatte, dienen. Das Exil erwies sich als eine extrem herausfordernde, aber schließlich auch fruchtbare und kreative Zeit für Gottes Volk. Lebhafte Diskussionen folgten dem Vortrag, bei denen sich die Delegierten mit den vielen aufgeworfenen Punkten und ihren praktischen Folgen auseinandersetzten.

Professor Piet Meiring
Professor Piet Meiring

Auf Prof. Meirings Vortrag folgten Berichte, Grußworte und Anträge. Bischof Reinstorf hielt seinen Synodalbericht zum Thema: „Christus ist mein Leben“ [Phil. 1:21]. Bei der dem Bericht folgenden Aussprache mel-deten sich Delegierte und Gäste zu Wort und es wurde lebhaft diskutiert. Dann grüßte uns Bischof Maragelo von unseren Glaubensgeschwistern in der LCSA. Er erinnerte die Delegierten an die Geschichte vom reichen jungen Mann (Mk.10/Mt.19) und ermutigte sie, nicht wie der junge Mann aufgrund von Christi Herausforderung mutlos zu werden. Das LCSA/FELSISA Treffen in Wartburg hat ihn in unserer Partnerschaft ermutigt. Auch Bischof Horst Müller von der ELKSA-NT sprach ein Grußwort. Er betonte den Wert, den er mit seiner Kirchenleitung auf die Beziehung zwischen unseren Kirchen – die er als getrennte lebende Zwillinge bezeichnet – legt, räumte aber auch ein, dass theologische Unterschiede nicht einfach verschwinden indem sie ignoriert werden. Missionar Christoph Weber als Vertreter der Missionsorganisation der FELSISA – Mission Lutherischer Kirchen [MLC] – berichtete über die verschiedenen Projekte, an denen die MLC beteiligt ist. Verschiedene Grußbriefe wurden verlesen: Prof. Dr. Detlev Schulz las ein Grußwort des LCMS Präses, Dr. Matthew Harrison, und grüßte die Synode auch als Professor des Seminars in Ft. Wayne und persönlich als Kind der Synode. Pastor Kurt Schnackenberg (Shelley Beach) verlas Grüße von der SELK (Deutschland) und IELB (Brasilien).

Den Grußworten folgten Berichte: Pastor Michael Ahlers (Kirchdorf) berichtete über die Arbeit des Jugendverbandes, Pastor Roland Johannes (Wartburg) über die Arbeit mit Teenagern, Pastor Kurt Schnackenberg (Shelley Beach) über das Kinderlager und Herr Walter Stallmann (Rustenburg ) über die Studentenmission. Der Vertreter des Bischofs, Pastor Rüdiger Gevers (Vryheid) dankte allen Beteiligten für ihren Einsatz. Auf die Berichte folgten die Anträge. Zwei Anträge vom

Synodalausschuss – Aufnahme der Ev.-Luth. Gemeinde Diepkloof als assoziiertes Mitglied der Synode und Einrichtung eines synodalen Solidaritätsfonds – wurden diskutiert und angenommen, bevor die Versammlung fürs Mittagessen unterbrochen wurde.

Die Arbeit nach dem Mittagessen begann mit einem Antrag des Pastorenkonvents, einen Synodalbeschluss von 1932 „keinen Farbigen als Mitglied unserer Synode anzuerkennen“ aufzuheben und sich für den daraus entstandenen Schaden am Leib Christi zu entschuldigen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Drei Anträge von den Gemeinden Kirchdorf, Wittenberg und Pretoria zu den ökumenischen Richtlinien der Synode wurden gemeinsam diskutiert. Die Gemeinden waren der Ansicht, dass zu den Leitlinien in wichtigen Punkten Unklarheit herrscht. Deshalb wurden die theologische Kommission und der Pastorenkonvent beauftragt die Richtlinien zu überarbeiten, um den Gemeinden Klarheit zu geben. Herr Wolfgang Beier (Durban) berichtete über den Pensionsfonds der FELSISA und Herr Ralf Schulz (Kirchdorf) über eine mögliche lutherische Genossenschaftsbank, bevor der Rendant der Synode, Herr Edmund Böhmer (Wittenberg), die Finanzberichte und Haushaltspläne vorstellte. Bischof Reinstorf dankte ihm und allen anderen Ehrenamtlichen, die an der Verwaltung der Synodalfinanzen beteiligt sind, für ihren Einsatz.

Zwei Anträge der St. Thomas-Gemeinde (Kapstadt) – Unterstützung bei Umzügen von berufenen Pastoren und bei Reisekosten der Vertreter von Diasporagemeinden, die an synodalen Veranstaltungen teilnehmen – wurden nach Überarbeitung angenommen. Dr. Gunter Rencken (Fairlands) berichtete über die Arbeit des Lutherischen Theologischen Seminars (Tshwane / Pretoria). Einerseits berichtet er über enorme Herausforderungen des letzten Jahres, dankte aber auch mit Rektor Dr. Walter Winterle der FELSISA für viele großzügige Unterstützung und ermutigte uns so weiter zu machen. Zwei Anträge der St. Petrusgemeinde (Durban) zum englischen Sprachgebrauch im Vaterunser und zum Wortlaut des apostolischen Glaubensbekenntnisses wurden an den Pastorenkonvent verwiesen. Zwei Anträge der Christusgemeinde (Kirchdorf) – geschlossene Sitzungen bei der Synode und die Ernennung eines Ausschusses zur Untersuchung der Pastorengehälter, insbesondere im Hinblick auf Ruhestand und Schulgeld – wurden diskutiert. Der erste Vorschlag wurde mit Änderungen angenommen, wobei Gemeinden, die ihre Anträge in geschlossenen Sitzungen diskutieren wollen, ermutigt werden, dies im ursprünglichen Antrag zu notieren. Der zweite Antrag wurde diskutiert und dann mit einem Antrag der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde (Newcastle) – dass ein Stipendienfonds für Schulgebühren eingerichtet

wird, bei dem die Familien des Pastors in Notsituationen Hilfe beantragen können, und der über freiwillige Beiträge finanziert wird – akzeptiert. Zwei Anträge der St. Johannesgemeinde (Shelley Beach) – Altersänderung bei den Synodalabgaben und eine zentrale Verwaltung der Pastorengehälter – wurden zur Kenntnis, jedoch nicht angenommen. Beim zweiten Antrag wurden alternative Regelungen vorgeschlagen. Der Vertreter des Bischofs, Pastor Rüdiger Gevers, stellte sich nicht zur Wiederwahl zur Verfügung. Pastor Michael Ahlers schloss das Tagesgeschäft mit einer Andacht, bevor Delegierte und Gäste sich mit ihren Gastgebern um die Braai-Feuer zu einem gemütlichen und gesellschaftlichen Abend versammelten.

Der Samstagmorgen begann für uns wieder mit einer Andacht von Pastor Marlon Hiestermann, bevor Prof. Meiring seinen Vortrag vortrug. Er referierte über verschiedene Aspekte von und Geschichten aus der Arbeit der Wahrheits- und Versöhnungskommission, und formulierte dabei fünf Voraussetzungen für Versöhnung: (i) Eine gemeinsame Definition der Versöhnung. (ii.) Eine ehrliche Diskussionen über die Vergangenheit – die Bücher können erst geschlossen werden, wenn sie vollständig geöffnet wurden. (iii.) Die Bereitschaft wiederherstellende Gerechtigkeit in Wort und Tat umzusetzen. (iv.) Mut zu tiefen und innigen Bekenntnissen der Sünde und auch Vergebungsbereitschaft, die verletzlich machen und riskant sind. (v.) Versöhnung braucht eine feste Verpflichtung, da sie niemals billig und immer mit Opferbereitschaft verbunden ist. Er ermutigte uns auf unserem Weg der Versöhnung, die Schriften und das Leben des deutschen Kirchenvaters Dietrich Bonhoeffer zu studieren, zuzuhören, zu opfern und auch Risiken einzugehen: Gott gab uns zwei Ohren und einen Mund. Wenn du eine Brücke sein willst, musst du erwarten, dass die Leute über dich laufen. Ergreife die Gelegenheiten zur Versöhnung, in die Gott dich stellt! Harald Niebuhr (Pietermaritzburg) vom Synodalausschuss dankte Prof. Meiring für seinen offenen und herzlichen Vortrag.

Bevor es zum Tee ging, wurden Ankündigungen gemacht: Die Ev.-Luth. Gemeinde (Wittenberg) hat zur nächsten Synode in zwei Jahren eingeladen. Bischof Reinstorf verabschiedete sich von Pastor Michael Ahlers und seiner Familie, der eine Berufung nach Wiesbaden (Deutsch-land) angenommen hat, und wünschte ihnen Gottes Geleit und Segen. Er dankt auch Pastor Rüdiger Gevers für seine Arbeit als sein Vertreter.

Nach dem Tee trafen sich die Delegierten in der Kirche zu den Wahlen. Bischof Reinstorf wurde für eine weitere Amtszeit gewählt und Pastor Helmut Paul zu seinem Vertreter. Pastor Kurt Schnackenberg wurde als dritter Pastor im Synodalausschuss wiedergewählt. Harald Niebuhr wurde für eine weitere Amtszeit gewählt und Lutz Böhmer (Newcastle) als fünftes Mitglied des Synodalausschuss. Nach den Wahlen dankte Bischof Reinstorf Herrn Eckart Paul (Panbult) – der sich nach der Wahl seines Sohnes Helmut nicht zur Wiederwahl zur Verfügung stellte – für seinen Dienst. Die Delegierten kehrten in den Saal zurück, um das Protokoll zu hören und anzunehmen, bevor sie sich in der Kirche zum Abschlussgottesdienst versammelten. Ortspastor Kurt Böhmer leitete den Gottesdienst, Pastor Roland Johannes predigte und Bischof Reinstorf führte die neuen Mitglieder des Synodalausschuss in ihre Ämter ein. Bevor alle zur Heimfahrt aufbrachen, servierten die großzügigen Gastgebern noch eine gemeinsame Mahlzeit.

Wir danken Gott für seinen mannigfaltigen Segen.

Pastor Thomas Beneke, Newcastle

 

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