Von der Gewissheit unseres Heils: Eine gute Hoffnung wird nicht zuschanden

Von Johann Gerhard, 1606

Was macht dir Sorgen, meine Seele? Was zweifelst du noch an Gottes Gnade? Denk an deinen Schöpfer, der dich ohne dein Zutun erschaffen hat, der deinen Körper im Verborgenen geformt hat, als dein Körper in den Tiefen der Erde geformt wurde (Psalm 139,15). Würde der, der sich um dich gekümmert hat, als du noch nicht existiertest, der dich nach seinem Bild geformt hat, sich nicht auch jetzt um dich kümmern?

Ich bin eine Schöpfung Gottes. Ich wende mich an meinen Schöpfer. Aber selbst wenn meine Natur vom Teufel infiziert wurde, wenn ich von Räubern, also von Sünden, verletzt und verwundet wurde, lebt mein Schöpfer dennoch. Derjenige, der mich geschaffen hat, wird mich auch wiederherstellen können. Derjenige, der mich ohne jedes Böse geschaffen hat, wird mich aus jedem Bösen, das heißt aus der Einflüsterung des Teufels, der Übertretung Adams, die auch eigentlich meine eigene Tat ist, die in mich eingegangen ist und mein ganzes Wesen durchdrungen hat, wieder aufrichten können.

Mein Schöpfer wird mich wiederherstellen können, vorausgesetzt, dass er es nur will. Sicher will er das, denn wer hasst schon sein eigenes Werk? Sind wir nicht in seiner Gegenwart wie Ton in den Händen des Töpfers (Jeremia 18,6)? Selbst wenn er mich hassen würde, hat er mich doch zweifellos aus dem Nichts geschaffen. „Er ist der Retter aller, besonders derer, die glauben“ (1 Timotheus 4,10).

Wie wunderbar bin ich geschaffen. Auf wunderbare Weise bin ich erlöst. Nie ist deutlicher geworden, dass der Herr uns liebt, als in seinem Leiden und seinen Wunden. Wahrlich, derjenige, um dessentwillen der einzige Sohn aus dem Schoß des Vaters gesandt wurde, wird von ihm geliebt. Außerdem, wenn du meine Erlösung nicht willst, Herr Jesus, warum bist du dann vom Himmel herabgestiegen? In der Tat bist du auf die Erde herabgestiegen, in den Tod, ans Kreuz.

Damit der Sklave erlöst werden kann, wurde der Sohn gefangen genommen. Sicherlich wurde die Menschheit von einer großen Liebe umfangen, die wegen der Erlösung der Menschheit ihren Sohn auslieferte, damit er gequält, geschlagen und gekreuzigt werde. Derjenige, der uns erlöst hat, ist in jeder Hinsicht wahrhaft geliebt und sehr kostbar. Geliebt und groß ist also das Mitgefühl des Erlösers.

Jeder kann sehen, dass Gott seine auserwählten Söhne mit einer sehr gerechten Liebe geliebt hat, mit seinem einzigen Sohn. Wem können wir denn etwas Kostbareres geben als das, was uns gegeben wurde? Damit er Söhne annehmen konnte, hat er seinen leiblichen und wesensgleichen Sohn nicht verschont. Wie groß ist es dann, dass er uns Wohnungen in seinem himmlischen Haus bereitet hat, indem er seinen Sohn hingab, „in dem die ganze Fülle der Gottheit wohnt“ (Johannes 14,2; Kolosser 2,9)?

Gewiss, wo die Fülle der Gottheit ist, da ist auch die Fülle des ewigen Lebens und der Herrlichkeit. Denn wenn er in Christus die Fülle des ewigen Lebens gegeben hat, wie könnte er dann auch nur den kleinsten Teil davon verweigern? Sicherlich hat der himmlische Vater seine Adoptivkinder mit großer Liebe umarmt, weshalb er seinen einzigen Sohn hingegeben hat. Sicherlich hat der Sohn, der sich für uns hingegeben hat, uns mit großer Liebe umhüllt.

Um uns reich zu machen, hat er extreme Armut ertragen. Er hatte wirklich keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen konnte (Matthäus 8,20). Um uns zu Söhnen Gottes zu machen, wurde er selbst als Mensch geboren. Er hat es auch nicht verschmäht, für uns zu arbeiten, nachdem er unsere Erlösung vollbracht hatte, sondern er tritt immer noch für uns ein, da er zur Rechten der göttlichen Majestät sitzt (Römer 8,34).

Was ist für meine Erlösung notwendig, das werde ich nicht erhalten, da derjenige, der die Erlösung erlangt hat, sie mir geschenkt hat? Wie könnte der Vater den Sohn verachten, der ihm bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz, gehorsam geworden ist (Philipper 2,8)? Wie könnte der Vater den Sohn zurückweisen, von dem er bereits das Lösegeld angenommen hat?

Auch wenn meine Sünden mich anklagen, vertraue ich auf diesen Fürsprecher. Derjenige, der entschuldigt, ist größer als derjenige, der anklagt. Auch wenn meine Schwächen mich erschrecken, rühme ich mich seiner Stärke. Auch wenn Satan mich anklagt, entschuldigt mich dieser Mittler jetzt. Auch wenn Himmel und Erde und meine Ungerechtigkeiten mich als Verbrecher brandmarken, genügt es mir, dass der Schöpfer von Himmel und Erde und die Gerechtigkeit selbst für mich Fürsprache einlegt.

Es reicht mir, den Verdienst zu kennen, den mein Verdienst nicht ersetzen könnte. Es reicht mir, Versöhnung von dem zu haben, gegen den ich allein gesündigt habe. Was auch immer er beschlossen hat, nicht anzurechnen, wird somit so sein, als wäre es nie geschehen. Es stört mich auch nicht, dass meine Sünden schwerwiegend, vielfältig und oft wiederholt sind.

Tatsächlich würde ich, wenn ich nicht von Sünde überwältigt wäre, seine Gerechtigkeit nicht begehren. Wenn ich nicht krank wäre, würde ich keine Hilfe durch Medizin suchen. Er ist der Arzt (Matthäus 9,12). Er ist der Retter (Matthäus 1,21). Er ist die Gerechtigkeit (1. Korinther 1,30). „Er kann sich selbst nicht verleugnen“ (2. Timotheus 2,13). Hab Erbarmen mit mir, o Medizin, o Retter, o Gerechtigkeit, Amen.

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