Was ist Gottes Wille für mein Leben? Gute Frage, Keith

Eine Abschrift eines YouTube-Videos von Pastor Bryan Wolfmueller

Der folgende Artikel ist eine Abschrift eines YouTube-Videos von Pastor Bryan Wolfmueller mit dem Titel: „Was ist Gottes Wille für mein Leben? Gute Frage, Keith“. Bryan Wolfmueller ist ein Pastor aus unserer Schwesterkirche in den USA (LCMS). Er betreut zwei Gemeinden in Austin, Texas. Außerdem hat er über 40.000 Abonnenten bei YouTube, wo er regelmäßig Videos für seine „YouTube-Theologen“ (wie er seine Zuhörer nennt) veröffentlicht.

Er hat eine Gabe, tiefgründige theologische Wahrheiten in einfacher, alltäglicher Sprache zu vermitteln. Oftmals nimmt er seine Videos während der Autofahrt auf. In diesem Video ist er auch mit dem Auto unterwegs, und antwortet eine Frage, die ihm von einer Person namens Keith gestellt wurde. Hier ist eine Abschrift des Videos (übersetzt, gekürzt und leicht überarbeitet, um das Lesen zu erleichtern):

Aufgrund des Wetters habe ich heute ein paar Minuten mehr Zeit in meinem mobilen Studio, und möchte daher ich eine Frage von Keith aufgreifen:

„Hallo Pastor, ich möchte dich nicht mit Videoideen überhäufen (du machen einen großartigen Job, danke), aber eine sehr häufige Aussage, die ich von anderen Christen höre, lautet ungefähr so: „Ich warte darauf, wohin Gott mich führt“ oder „Das ist Gott-Ding / eine Sache Gottes“. Die Menschen scheinen die Vorstellung zu haben, dass wir alle Marionetten sind oder dass der Verlauf ihres Lebens ein Rätsel ist, das sie Schritt für Schritt lösen müssen, um alles richtig zu machen. Sie behaupten, sie hätten Zugang zu übernatürlichen Informationen oder dass sie danach suchen. Kannst du bitt darauf antworten?“

Ich denke, das ist eine sehr gute Sache, über die wir nachdenken sollten. Eine Frage, die man ständig hört, lautet: „Was ist Gottes Wille für mein Leben?“ Ich denke, das Bild, das sie vom Leben als Christ und vom Herausfinden des Willens Gottes haben, ist, dass sie sich vorstellen, Gott habe einen perfekten Plan für mich. Sie glauben, Gott habe einen einzigen Weg, den ich gehen soll – Gottes Plan für mich!

Es ist, als gäbe es eine schmale Linie, einen Schwebebalken (balance beam) in der Dunkelheit, auf dem Gott möchte, dass ich gehe. Ich kann nicht sehen, wo mein nächster Schritt ist, aber Gott weiß, wo mein nächster Schritt ist. Er hat mir nicht gesagt, was mein nächster Schritt sein soll, also muss ich versuchen, es herauszufinden. Ich versuche irgendwie Zugang zu diesem Wissen zu bekommen, was Gottes Wille oder Plan ist. Ich versuche, Zugang zu diesem Wissen zu bekommen, das Gott vor mir verbirgt. Es ist, als hätte Gott irgendwo eine kleine Akte mit dem Titel „Gottes perfekter Plan für Bryans Leben”, und ich versuche, mich in sein Büro zu schleichen und in diese Akte zu schauen, um herauszufinden, was mein Plan ist, weil er es mir nicht sagen will.

Das führt zu allerlei seltsamen christlichen Bräuchen. Ich denke, es ist wie Hexerei. Ich versuche, die Zukunft zu erkennen oder herauszufinden. Ich versuche, Zugang zu diesen geheimen Dingen zu bekommen, zu denen Gott mir keinen Zugang gewährt hat. Und so suche ich nach Zeichen: offene Türen; kleine Anzeichen dafür, dass ich die richtige Wahl getroffen habe – so wie, dass ich das richtige Studium wähle; dass ich die richtige Person heirate; dass ich richtige Karriere aussuche; dass ich die richtigen Gelegenheiten nutze; und so weiter.

Und das ist besonders für junge Menschen schwierig. Sie haben noch so viele Jahre vor sich. Sie blicken meist nach vorne und es gibt so viel Unbekanntes. Wenn man älter wird und zurückblickt, liegt der größte Teil des Lebens in der Vergangenheit. Aber wenn der größte Teil unseres Lebens noch vor uns liegt, ist diese Denkweise eine große Versuchung.

Aber was lehrt uns die Bibel über Gottes Willen? Was sagt die Bibel darüber, was Gottes Plan für mein Leben ist? Die Antwort lautet, dass es Gottes Wille für unser Leben ist, dass wir die Zehn Gebote halten. Es ist kein Geheimnis. Der Herr hat uns Weisheit gegeben. Er hat uns in seinem Gesetz klare Anweisungen gegeben. Das ist es, was Gott uns sagt.

Nun sagen die Menschen: „Aber ich möchte mehr als das. Ich möchte nicht nur das Gebot, Gott und meinen Nächsten lieben – nicht zu morden, nicht zu ehebrechen und nicht zu stehlen und so weiter. Ich möchte wissen, welchen Beruf ich ausüben soll. Ich möchte wissen, wen ich heiraten soll.“ Nun, der Punkt ist folgender: Solange du Gottes Gebote hältst, kannst du heiraten, wen du willst – solange die andere Person „Ja“ sagt.

Luther macht diese wirklich hilfreiche Unterscheidung, wenn er an Erasmus über unseren Willen schreibt (De servo arbitrio, vom unfreien Willen). Er sagt, dass unser Wille gebunden ist, wenn es um die geistlichen Dinge, die ‚Dingen von oben‘, handelt. Wir können nicht aus eigener Kraft oder Vernunft an den Herrn Jesus Christus glauben oder zu ihm kommen oder ihn annehmen oder an sein Wort glauben und Ähnliches. All diese geistlichen Gaben werden uns vom Heiligen Geist gegeben. Der fleischliche Verstand kann die Dinge des Geistes Gottes weder verstehen noch empfangen. Wir können uns nicht aus unserem freien Willen für Gott entscheiden. Aber wir haben freien Willen gegenüber unseren Nächsten. Du hast freien Willen gegenüber deinem Kalender. Gott hat dir die Freiheit gegeben, zu studieren, was du studieren möchtest, zu heiraten, wen du heiraten möchtest, zu tun, was du für das Beste hältst, um deinem Nächsten zu dienen. Du bist tatsächlich und wirklich frei zu entscheiden, wie du deine Liebe ausübst.

Das Erstaunliche ist, dass wir immer kreativ sein wollen, wenn es um das Evangelium handelt. Die Kirchen versuchen immer, kreativ zu sein, wenn es um Predigten und Gottesdienste geht. Aber das ist nicht der Bereich der Kreativität. Gott hat uns gesagt, was das Evangelium ist. Wenn du jedoch kreativ sein willst, dann im Dienst am Nächsten. Wenn es darum geht, wie diese Liebe gegenüber deinem Nächsten, deiner Frau, deinen Kindern und so weiter aussieht, dann ist Kreativität gefragt. Es gibt eine Million verschiedene Möglichkeiten, wie du deinen Nächsten heute lieben kannst – und alle sind großartig. Der Herr hat nicht nur eine einzige Sache, einen einzigen nächsten Schritt, den du tun sollst. Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die alle gut sind.

Es ist nicht wie auf einem Schwebebalken, wo es nur einen richtigen nächsten Schritt gibt – eine richtige Sache, für die ich mich entscheiden muss, sonst bin ich nicht im Einklang mit dem Willen Gottes. Wenn du sündigst, bist du nicht im Einklang mit dem Willen Gottes. Aber wenn du liebst, wenn du die Gebote hältst, bist du im Willen Gottes, egal wie die Liebe aussieht. Wenn du ein Student bist und dich für Ingenieurwesen interessierst – Gott sei gepriesen. Wenn du dich fürs Schreiben interessiert – Gott sei gepriesen. Wenn du dich für Landwirtschaft interessiert – Gott sei gepriesen. All das sind gute Werke, und all das ist Gottes Wille für dich. Es ist nicht so, als gäbe es einen super geheimen, individuellen Plan für dein Leben. Gott hat dir diese Freiheit gegeben.

Nun, wenn wir zurückblicken – wenn wir uns umdrehen und auf die Vergangenheit schauen – können wir sehen, dass der Herr all diese Dinge zum Guten gewirkt hat. Wir sehen, dass der Herr bei uns mit seinem Plan war und uns geholfen hat. Wenn wir zurückblicken, können wir das erkennen und uns darüber freuen. Aber wir sollen es nicht sehen, wenn wir nach vorne schauen. Der Herr hat das vor uns verborgen. Er hat uns das Wissen über die Zukunft aus einem guten Grund vorenthalten – damit wir ihm vertrauen.

Woher weißt du also, dass es Gottes Wille war, dass du die Person heiratest, mit der du verheiratet bist? Weil du mit ihr verheiratet bist. Du erkennst Gottes Willen rückblickend. Aber er hat ihn vor uns verborgen, wenn wir nach vorne schauen.

Hier stützen wir uns auf die biblische Weisheit. Deshalb schenkt uns der Herr Weisheit. Er schenkt uns Weisheit durch unsere Ältesten und ganz besonders durch das Lesen seines Wortes. Behalte, was David sagt: Ich habe mehr Einsicht als alle meine Lehrer, denn ich sinne über deine Gebote nach (Psalm 119,99). Wir wenden uns dem Wort zu, um Weisheit zu erlangen, und wir vertrauen auf diese Verheißung aus Jakobus Kapitel 1: Wenn es aber jemandem unter euch an Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der jedermann gern und ohne Vorwurf gibt. Gott gibt uns seine Weisheit. Wir haben diese Verheißung.

Wir beten also, dass der Herr uns Weisheit durch sein Wort, durch unsere Freunde, durch unsere Ältesten und so weiter schenkt. Wir suchen nach Weisheit. Wir suchen nicht nach einer geheimen Offenbarung Gottes, als würde sich der Himmel öffnen. Wir entschlüsseln Gottes Geheimnis nicht durch irgendeine Art christlicher Hexerei. Wir suchen in diesen Dingen nach Weisheit.

Vielleicht noch ein weiterer Punkt dazu, Keith. Es ist interessant festzustellen, dass die evangelikale Kirche in Amerika – ich vermute, weltweit – die Idee der Freiheit ‚in den Dingen von oben‘ und Freiheit ‚in den Dingen von unten‘ irgendwie auf den Kopf gestellt hat. Sie tut so, als hätten wir Freiheit gegenüber Gott und Knechtschaft gegenüber den irdischen Dingen. Sie sagen: „Ich kann mich für Christus entscheiden. Das liegt an mir. Ich habe den freien Willen zu entscheiden, ob ich Christ sein möchte oder nicht. Aber dann muss ich Gottes Willen suchen, um herauszufinden, welche Farbe Socken ich heute anziehen soll.“

Es besteht eine große Gefahr in der Umkehrung von Freiheit und Knechtschaft, die im amerikanischen Christentum stattfindet. Wir wollen behalten, dass Gott mir nicht die Freiheit gegeben hat, mich für Christus zu entscheiden. Das gehört zum Glauben, der ein Geschenk des Heiligen Geistes durch das Wort ist. Aber er hat mir Freiheit für dieses Leben gegeben. Er hat mir Freiheit gegeben, wenn es darum geht, wie meine Liebe aussehen soll.

Er hat uns durch die Zehn Gebote einen Rahmen gesetzt. Und wenn wir uns in diesem Bereich der Zehn Gebote befinden und die Grenzen, die die Zehn Gebote setzen, nicht überschreiten, dann sagt der Herr: „Geh groß. Freue dich an meiner Freiheit, lebe, gehe deinen Weg, sei kreativ in der Art und Weise, wie du dieses Leben lebst, und weiß, dass ich damit zufrieden sein werde. Du hast jeden Tag eine Vielzahl von Möglichkeiten, und ich werde mit einer davon zufrieden sein.“

Also, Keith, ich schätze deine Frage. Ich denke, du bist da auf der richtigen Spur, und ich hoffe, diese Ausführungen helfen dir weiter.

Keith fragte auch danach: „Das ist Gott-Ding / eine Sache Gottes“ („it is a God thing“). Diese Sprechweise – dieses Klischee – ist problematisch, denn sie geht davon aus, dass es Sachen gibt, die Gottes Dinge sind, und andere Sachen, die nicht Gottes Dinge sind. Das ist gefährlich. Wenn zum Beispiel etwas überraschend Gutes passiert, das wir nicht erwartet haben, sagen wir: „Nun, das ist ein Gott-Ding“. Aber was ist, wenn etwas Schlimmes passiert? Wessen Sache ist das dann? Ist das eine Sache des Teufels?

Was ist mit dem, was Hiob widerfahren ist? War das eine Sache Gottes? Der Herr gibt, der Herr nimmt, gesegnet sei der Name des Herrn. Sollen wir Gutes aus der Hand des Herrn annehmen und nicht Böses? (Hiob, Kapitel 1).

Wenn man also auf alles zurückblickt, was passiert ist – nicht nur auf den unerwarteten Brief eines alten Freundes oder Ähnliches, sondern auch auf die schreckliche Nachricht, die man erhalten hat –, kann man sagen: „Es sind alle Gottes Dinge.“ Der Herr hat seinen Thron im Himmel errichtet, und sein Reich herrscht über alles (Psalm 103,19). Der HERR ist König; des freue sich das Erdreich (Psalm 97,1). Alle Dinge sind „Gottes Dinge“.

Was wir auf jeden Fall sagen wollen, ist, dass der Herr direkt in unserem Leben durch das Wort wirkt! Wenn wir das Wort des Herrn hören, wie es gelesen, gelehrt, gepredigt und ausgelegt wird, dann sagen wir: Das ist ein Gott-Ding! Wenn meine Sünden vergeben sind: Das ist ein Gott-Ding! Das ist das besondere Wirken Gottes in dieser Welt. Es mag uns nicht überraschen. Es mag völlig zu erwarten sein. Wir gehen in die Kirche und hören das Wort des Herrn. Wir schlagen morgens unsere Bibel auf und hören von seiner Güte. Dort tut Gott, was er tun will – sein Hauptwerk, nämlich, uns zu retten und von unseren Sünden zu befreien. Das ist es, worüber wir wirklich sprechen sollten, wenn wir sagen: „Das ein Gott-Ding.“

Okay, soweit dazu, Keith.

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