Andacht – Bibelstelle 1. Korinther 2,3-5

Andacht - Bibelstelle 1. Korinther 2,3-5

„Ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten der Weisheit, sondern im Erweis des Geistes und der Kraft, auf dass euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.“ (1. Korinther 2,3-5)

Bestimmte Personen, die eine dynamische Persönlichkeit haben, rufen bei anderen Aufmerksamkeit und Interesse hervor. Was auch immer das Thema ist, ein Redner mit Charisma und Charme kann seine Zuhörer stark beeindrucken und beeinflussen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass nach wie vor eine hohe Nachfrage nach wirkungsvollen, charmanten, charismatischen Predi-gern besteht. Wir können verschiedene Programme im Fernsehen finden, die Prediger mit eindrucksvoller Ausstrahlung zeigen. Einige von ihnen sind sehr beliebte Persönlichkeiten, die eine große Menschenmenge um sich versammeln.

Wenn es zu biblischen Figuren kommt, denkt man vielleicht an den Apostel Paulus als eine dynamische Person. Er hatte Christen verfolgt, wurde dann aber von Christus selbst berufen, dem Evangelium zu dienen. Er unternahm umfangreiche Missionsreisen, um die Botschaft unseres gekreuzigten und auferstandenen Erlösers zu predigen. Und so wurde er von vielen als ein beeindruckender und charismatischer Mann wahrgenommen. In der Apostelgeschichte finden wir ausführliche Berichte über seinen hingebungsvollen Dienst an Christus, wobei er viele mit kraftvollem Zeugnis des Wortes vom Kreuzes erreichte.

In seinen Briefen an die Korinther begegnen wir jedoch einem Mann, der nach der Betrachtung seiner Beziehung zur Gemeinde zu Tränen gerührt ist (2. Korinther 2,1-4). Er stand einer geteilten Gemeinde gegenüber, in der viele Gemeindeglieder andere Persönlichkeiten – wie Apollos und Petrus – ihm gegenüber bevorzugten. Anstelle eines mutigen und charismatischen Predigers begegnen wir Paulus als einem schwachen Mann, der an sich und seiner Position zweifelt und beides in Frage stellt. Er gibt es sogar vollständig in unserem Text für diese Andacht zu: „Ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern.“

Doch Paulus gibt nicht auf, noch scheut er sich vor seinem Dienst an Christus. Im Gegensatz zu einem Philosophen, Anwalt oder Politiker brauchte Paulus sich nicht auf seine Fähigkeiten als Redner zu verlassen. Während gut durchdachte Argumente, kühne Sprache und charismatischer Einfluss wichtige Aspekte für die Vermittlung der Botschaft sind, legt Paulus diese – und damit auch sein Selbstvertrauen und Charisma – völlig beiseite. Er tut dies nicht etwa, weil er in seinen Fähigkeiten als Leiter, Prediger und Hirte der Herde Christi besiegt worden ist, sondern weil eine

viel stärkere Kraft im Spiel ist: „Mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten der Weisheit, sondern im Erweis des Geistes und der Kraft, auf dass euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.“

Das Wort vom Kreuz hat eine Kraft an und für sich. Paulus predigt einfach das Wort Gottes, weil Gott ihm offenbart hat, dass diese Botschaft ihre eigene Wirksamkeit mit sich bringt. Anstatt in irgendeiner Weise von den Fähigkeiten der Boten abhängig zu sein, die gesandt wurden, um es zu überbringen, trägt die Botschaft in sich selbst die Kraft, die selig macht! Diese Kraft wird vom Heiligen Geist geliefert und bereitgestellt, der seine Kraft durch die Wirksamkeit des Evangeliums Jesu Christi zu Tage bringt. Der Geist Gottes ergreift das menschliche Herz auf unlogische Weise und jenseits unseres Verständnisses. Indem er sich jedoch an die Heilige Schrift bindet und eben diese predigen lässt, bewahrt er Herz und Sinn eines jeden Gläubigen mit „dem Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft“ (Philipper 4,7).

Paulus unterscheidet das Wort vom Kreuz deutlich von den Worten der Weisheit, weil die Korinther „Weisheit“ als Maßstab betrachteten, an dem der Wert einer Botschaft gemessen werden kann. In unserer Zeit tendieren wir eher dazu, eine Botschaft an der emotionalen Tiefe und Überzeugung des Sprechers zu messen. Es erscheint fair, einen Vergleich zwischen der Präferenz der Korinther für „überredende Worte der Weisheit“ und unserer Präferenz für charismatische, leidenschaftliche, emotionale und bewegende Sprache zu ziehen. Was auch immer die Vorlieben eines Publikums sein mögen, es ist von größter Wichtigkeit, dass sich Christen nicht auf den Botschafter verlassen, sondern auf die Botschaft selbst. Denn kein Prediger hat die Kraft, einem Menschen das Heil zu bringen – nur das Evangelium von Jesus Christus
„ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben“ (Römer 1,16).

Diese Tatsache ist nicht nur für Pastoren ein großer Trost, die ja zuweilen mit ihren eigenen Schwächen und Ängsten konfrontiert sind, sondern insbesondere den Zuhörern des gepredigten Wortes! Jedes Mal, wenn du von dem Mangel an Charisma, Charme und Sprachfähigkeiten deines Pastors enttäuscht bist, versichert dir die Heilige Schrift selbst, dass die Kraft des Heiligen Geistes an dir wirkt! Während es sich vielleicht nicht so anfühlt, du dich manchmal bei dem Stil oder der Art des Pastors langweilst, oder sogar eine schwierige persönliche Beziehung zu deinem Pastor hast, arbeitet der Heilige Geist sogar dann! Trotz der Makel und Mängel des Dieners findet der Dienst Gottes – Gottesdienst! – an dir statt und wirkt auf dich ein.

LG 36, V.1: „Allein auf Gottes Wort will ich mein Grund und Glauben bauen. Das soll mein Schatz sein ewiglich, dem ich allein will trauen. Auch menschlich Weisheit will ich nicht dem göttlich Wort vergleichen, was Gottes Wort klar spricht und richt, dem soll doch alles weichen.“  

Pastor Marlon Hiestermann

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