Die wahren Kennzeichen der Kirche: Eine Betrachtung von Luthers Lehren

Matthew C. Harrison (Präses der Lutheran Church-Missouri Synod)

(Mit Genehmigung aus ©2022 Reporter LCMS (www.reporter.lcm.org) abgedruckt.)

Die konfessionellen Lutherischen Kirchen suchen die Kirchengemeinschaft mit allen Kirchen der Welt, die sich klar zu den „Kennzeichen“ der Kirche bekennen und daran festhalten. „Zu glauben“ oder „ein frommer Mensch zu sein“, sind keine ausreichende Kennzeichen, von denen die Kirche und ihre Einheit abhängt. Der Glaube ist unsichtbar. Sein Anschein kann vorgetäuscht werden. Der Glaube kann Fehler enthalten.

Die wahren „Kennzeichen“ (oder Erkennungszeichen) der Kirche sind für alle sichtbar und bieten genügend Grundlage, womit wahre Gemeinschaft festgestellt werden kann. Auch wenn diese Kennzeichen gegenwärtig sind, wie Luther schreibt, aber durch falsche Lehre oder Glaube verdeckt sind, so werden dennoch Christen durch sie versammelt. Artikel VII der Augsburgischen Konfession definiert die Kennzeichen der Kirche als die „reine“ Verkündigung des Evangeliums und die „rechte“ Verwaltung der Sakramente. In seiner Schrift „Von den Konzilien und der Kirche“ (1539) – eine Schrift, die von der Konkordienformel als autoritativ angesehen wird – erweitert Luther die Zahl der Kennzeichen auf sieben. Luthers Ausführungen zu diesen sieben Kennzeichen der Kirche sind unten in gekürzter Form zitiert. Obwohl wir wissen und Gott danken, dass genug von seinem Wort auch außerhalb des orthodoxen Luthertums vorhanden ist, um viele zu Christus zu führen, verlangt die Heilige Schrift, dass wir uns an diese Kennzeichen als einzigen Maßstab für die Anerkennung einer solchen Gemeinschaft halten (Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft).

Luther über die Kennzeichen der Kirche

Christus verheißt: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ [Mt. 28, 20]. Aber wie soll oder kann ein armer verwirrter Mensch erkennen, wo solch ein heiliges, christliches Volk in dieser Welt zu finden ist?

Erstens erkennt man das heilige, christliche Volk daran, dass es das heilige Wort Gottes besitzt. Freilich haben es nicht alle in gleichem Maße, wie St. Paulus sagt [1. Kor. 3, 12-14]. Die einen besitzen das Wort in seiner ganzen Reinheit, die anderen nicht. Diejenigen, die das reine Wort besitzen, werden diejenigen genannt, die „mit Gold, Silber und Edelsteinen auf dem Fundament bauen“; diejenigen, die es nicht in seiner Reinheit besitzen, sind diejenigen, die „mit Holz, Heu und Stroh auf dem Fundament bauen“ und dennoch durch das Feuer gerettet werden. … Dies ist der Hauptgegenstand und das Heiligste der heiligen Besitztümer, aufgrund dessen das christliche Volk heilig genannt wird; denn Gottes Wort ist heilig und heiligt alles, was es berührt; es ist in der Tat die Heiligkeit Gottes selbst, „Es ist die Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben“ [Römer 1, 16], und „Alles wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet“ [1. Timotheus 4, 5].

Zweitens wird das Volk Gottes oder das heilige, christliche Volk durch das heilige Sakrament der Taufe erkannt, wo immer es nach der Ordnung Christi recht gelehrt, geglaubt und gespendet wird. Auch dies ist ein öffentliches Zeichen und ein kostbares Heiligtum, durch das das Volk Gottes geheiligt wird. …

Drittens wird das Volk Gottes oder das heilige, christliche Volk am heiligen Sakrament des Altars erkannt, wo immer es nach der Einsetzung durch Christus recht verwaltet, geglaubt und empfangen wird. Auch dies ist ein öffentliches Zeichen und ein kostbares Heiligtum, das Christus hinterlassen hat, durch das sein Volk geheiligt wird, damit es sich auch im Glauben übt und offen bekennt, dass es christlich ist, wie es das Wort und die Taufe tun. …

Viertens wird das Volk Gottes oder das heilige, christliche Volk durch das öffentlich ausgeübte Schlüsselamt erkannt. Das heißt, wie Christus in Matthäus 18, 15-20 anordnet, wenn ein Christ sündigt, soll er zurechtgewiesen werden; und wenn er sich nicht bessert, soll er in seiner Sünde gebunden und ausgestoßen werden. Wenn er sich bekehrt, soll er freigesprochen werden. Das ist das Amt der Schlüssel. …

Fünftens wird die Kirche äußerlich daran erkannt, dass sie Amtsträger weiht oder beruft oder Ämter hat, die sie verwalten soll. Denn man muss Bischöfe, Hirten oder Prediger haben, die öffentlich und privat die vier genannten Dinge oder Heiligtümer geben, verwalten und ausüben, im Namen und im Auftrag der Kirche – vielmehr, aufgrund ihrer Einsetzung durch Christus – wie der heilige Paulus in Epheser 4, 8 sagt: „Er hat den Menschen Gaben gegeben“. Seine Gaben sind, dass einige Apostel, einige Propheten, einige Evangelisten, einige Lehrer und Hirten sein sollten usw. Das Volk als Ganzes kann diese Dinge nicht tun, sondern es muss diese Gaben bestimmter Personen anvertrauen oder anvertrauen lassen. … Die anderen sollen mit dieser Einteilung zufrieden sein und ihr zustimmen. Wo immer man dieses sieht, kann man gewiss sein, dass da Gottes Volk, das heilige, christliche Volk, anwesend ist. …

Sechstens erkennt man das heilige, christliche Volk äußerlich durch Gebet, öffentlichen Lobpreis und Danksagung zu Gott. Denn wo du siehst und hörst, wie das Vaterunser gebetet und gelehrt wird, oder wie Psalmen oder andere geistliche Lieder gesungen werden, die mit dem Wort Gottes und dem wahren Glauben übereinstimmen, wie auch das Glaubensbekenntnis, die Zehn Gebote und der Katechismus öffentlich verwendet werden, kannst du sicher sein, dass ein heiliges, christliches Volk Gottes anwesend ist. …

Siebtens erkennt man das heilige, christliche Volk äußerlich durch das Heiligtum des heiligen Kreuzes. Die Christen müssen jedes Unglück und jede Verfolgung, allerlei Anfechtungen und Übel (wie das Vaterunser zeigt) des Teufels, der Welt und des Fleisches, innere Traurigkeit, Scheu, Furcht, äußere Armut, Verachtung, Krankheit und Schwäche ertragen, damit sie ihrem Haupt, Christus, gleich werden. Und der einzige Grund, warum sie leiden müssen, ist, dass sie standhaft an Christus und Gottes Wort festhalten und dies um Christi willen ertragen, wie geschrieben steht in Matthäus 5, 11: „Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden.“ Sie müssen fromm, still und gehorsam sein, und bereit, der Regierung und allen mit Leben und Gut zu dienen und niemandem Schaden zuzufügen. … Wo immer ihr das seht oder hört, dürft ihr wissen, dass die heilige, christliche Kirche da ist, wie Christus in Matthäus 5, 11-12 sagt: „Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und allerlei Böses gegen euch reden und dabei lügen. Seid fröhlich und jubelt; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden.“ Denn mit diesem Heiligtum macht der Heilige Geist sein Volk nicht nur heilig, sondern auch selig.

Martin Luther, Weimarer Ausgabe 50, Von den Konzilien und Kirchen, 1539, S. 628-642.

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