In Memoriam Wilhelm Weber – ein unermüdlicher Kommunikator

Wilhelm Weber

Ernst Alfred Wilhelm Weber war eine pfingstliche Erscheinung: Wir hörten ihn jeder in seiner eigenen Sprache reden (Apg 2,6).

Er wollte Menschen ins Gespräch miteinander bringen über alle Sprachgrenzen hinweg. Als Übersetzer schlug er unermüdlich Brücken in einer Welt der Trennungen. Sein Leben spielte sich ja überwiegend im Raum der Apartheid ab. Da wollte er das Verbindende zu Wort kommen lassen. Wir hörten ihn in unsern Sprachen die großen Taten Gottes reden (Apg 2,11).

Diese pfingstliche Hartnäckigkeit mag auch darin begründet gewesen sein, dass er schon als Kind die Erfahrung einer harten Trennung bewältigen musste. Er war am 17. November 1933 in Paulpietersburg geboren und musste während des Zweiten Weltkrieges einen Teil seiner Kindheit in Deutschland verleben, weil der Kriegsausbruch ihn mit seiner Mutter und den Geschwistern an der Heimreise nach Südafrika hinderte und ihn von seinem Vater abschnitt. Zum Studium kehrte er dann 1952 nach Deutschland zurück – erneut mit einer familiären Trennung verbunden. Nach seinem Ersten Theologischen Examen am 14. August wurde er am 16. November 1958 in seiner zweiten Heimat Dreihausen zum Missionsdienst in Südafrika abgeordnet. Seine Braut Karin Ziegenhagen folgte ihm ein Jahr später, und am 23. April 1960 schlossen sie in Wittenberg die Ehe, nachdem er dort zuvor am 27. März auch seine Ordination zum Amt der Kirche erhalten hatte. Ihren Einsatzort fanden die jungen Eheleute nicht etwa im vertrauten Zulu-Bereich, sondern in Roodeport. Auch diese große Tswana-Gemeinde hörte ihn nun in ihrer Sprache die großen Taten Gottes verkündigen. Schon 1964 hatte er auch die Übersetzung der Augsburger Konfession abgeschlossen, als ersten Schritt des großen Projektes der Übersetzung aller lutherischen Bekenntnisschriften. 1965 wurde Wilhelm Weber als Dozent an das Lutherische Theologische Seminar in Enhlanhleni berufen und übernahm dann 1970 auch dessen Leitung mit allen damit zusätzlich verbundenen baulichen und verwaltungsmäßigen Aufgaben. Hier wirkte er über eine Generation lang als Lehrer der angehenden Pastoren der LCSA. Er unterrichtete Dogmatik, Praktische Theologie und Altes Testament.

Sein unerbittlich verfolgtes Anliegen war, dass die nachwachsende Pastorenschaft jeweils die Sprache der anderen Muttersprachler lernte. Mit großem Fleiß übersetzte er die Synodalunterlagen in die Zweitsprache. Das Pfingstereignis kommt nicht immer zugeflogen, sondern will in der Regel verantwortungsvoll erarbeitet sein. Dabei blieben die biblischen Sprachen nicht unberücksichtigt. Wilhelm Weber übersetzte eine hebräische Grammatik, um seinen Studenten das Erlernen der Sprache des Alte Testaments zu erleichtern. 1975 promovierte ihn die Universität von Südafrika (UNISA) zum Doktor der Theologie aufgrund seiner Dissertation: „Der Begriff der Verantwortung in der Theologie Martin Luthers und Dietrich Bonhoeffers“. Noch über seinen offiziellen Ruhestand hinaus setzte Wilhelm Weber seine Lehrtätigkeit bis Ende 2000 fort. Zum Abschluss wurde ihm die schöne Festschrift „Lutheran Theological Perspektives“ gewidmet. Aber auch danach übersetzte er fleißig weiter und sorgte für Literatur in den Sprachen, die in der LCSA gesprochen werden. 2011 verlieh ihm das Concordia Theological Seminary in Fort Wayne/USA die theologische Ehrendoktorwürde (DD).

Neben diesem immensen Arbeitsprogramm übernahm Wilhelm Weber viele weitere Aufgaben. Abel Sibanyoni zählt nicht weniger als 13 Tätigkeiten auf, in denen ihm sein Lehrer deutlich in Erinnerung ist. Wie Wilhelm Weber 2015 in seinem Weihnachtsrundbrief verriet, war in der Schule Mathematik sein Lieblingsfach. So war er gleichsam dafür prädestiniert, über Jahrzehnte hin die Kirchenkasse zu verwalten. Dies nur als ein Beispiel.

Der Sprachstil von Wilhelm Weber spiegelte seine Eigenart. Er liebte das Bindewort „und“. In einer Geste liebevoller Umarmung wollte er nichts und niemanden übersehen. Und deshalb war es ihm eine besondere Freude, wie sich seine eigene Kinderschar vermehrte: Wilhelm wurde 1961, Ruth 1963, Renate 1965, Anne 1966, Gerhard 1968, Elisabeth 1968, Peter 1970, Christoph 1971 und Magdalene 1975 geboren. Auch hier waren wieder schmerzliche Trennungen zu verkraften, als die Kinder schon früh ins Schülerheim gebracht werden mussten. Doch das führte bei ihrem Vater nur dazu, umso aufmerksamer ihr Ergehen zu verfolgen. Und dann freute er sich über jedes weitere Und, das durch Schwieger-, Enkel- und Urenkelkinder hinzukam. Und das tägliche Gebet für alle seine Lieben wurde länger und länger. Seine Frau Karin unterstütze ihn bei all seinem Wirken und trug ihren bedeutenden Teil zum Gelingen bei. Und wie freute es ihn, dass die Reihe derer nicht abriss, die in seiner Nachfolge nach Oberursel zogen, um Theologie zu studieren!

Diese große Ansammlung so vieler Aufgaben und Menschen, die ihm nahe standen, wurde zusammen gehalten durch die innere Sammlung auf den einen Herrn Jesus Christus. Wilhelm Weber war leidenschaftlich bemüht, diese Mitte als Halt ganz klar und eindeutig zu bewahren. Er kämpfte um die Freiheit des lutherischen Glaubens, weil sich für ihn nur im Evangelium der weite Spielraum des Lebens öffnen konnte. Und dieser Raum der Freiheit wird sich ihm erst recht erweitern, wenn er schauen darf, was er geglaubt hat, Gott in seiner ganzen himmlischen Herrlichkeit.

Wilhelm Weber sen. starb am 6. September 2017 und wurde am 9. September 2017 christlich auf dem Friedhof in Lüneburg/Südafrika bestattet unter Anteilnahme einer großen Gemeinde, darunter mehr als 30 Pastoren. Die Predigt im Gottesdienst hielt Pastor Dr. Radikobo P. Ntsimane. Zuvor hatten am Wohnort in Welbedacht sein Schwiegersohn Pastor Kurt Schnackenberg eine Abschiedsandacht auf Deutsch und sein Sohn Missionar Peter Weber eine Andacht auf Zulu gehalten.

Prof. em. Dr. Volker Stolle, Mannheim, DE

 

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