Die Kirche kümmert sich um die Eigenen

Wen interessiert es?

Krisen sind nichts Neues im Leben der Kirche. Und wenn wir uns fragen, wie wir im Angesicht dieser ganz neuen Krise, dieses Coronaviruses, reagieren sollen, dann können wir die Geschichte unserer Kirche anschauen. Wir können schauen, wie unsere Väter und Vorfahren im Glauben im Angesicht verschiedener Krisen – Hungersnot, Krieg, Krankheit und Verfolgung – reagiert haben. Diese kurze Bibelstunde soll helfen mit Zuversicht in eine schweren Situation hinauszugehen – genau wie Gottes heiliges Volk es schon so oft in schwierigen Zeiten getan hat.

Die Kirche kümmert sich um die Eigenen 

Nach der Auferstehung Jesu in den Anfängen unserer apostolischen Kirche, wurden die Gemeindeglieder aufgrund ihres Glaubens immer noch stark vom Rest der Gesellschaft ausgeschlossen. Wenn die frühe Kirche sich nicht durch wohltätige Handlungen umeinander gekümmert hätte, dann hätte sich niemand um sie gekümmert. Erst später als das Christentum in der westlichen Welt gesellschaftsweit zur Norm wurde, wurde Wohltätigkeit auch zur Norm.

  1. Besprich was es bedeutet „in der Welt“, aber nicht „von der Welt“ zu sein.
    1. „Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb. Weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt.“ (Johannes 15,19)
  2. Heutzutage übernehmen die Regierungen weitgehend die Verantwortung der Fürsorge der Bedürftigen. Wie machen sie das? Brauchen wir überhaupt noch die kirchliche Familie für unser leibliches Wohl? Gibt es negative Konsequenzen, wenn wir die Kirche auf dieser Weise nicht mehr brauchen?
  3. Wie können sich Christen trotz der vielen Hilfen der Regierung für die leibliche Fürsorge um einander kümmern?
  4. Lies Apostelgeschichte 2,42-47.
    1. Was können wir von den Gläubigen in dieser Geschichte lernen? Über das Teilen? Vertrauen? Großzügigkeit?
    2. Schau Vers 45 genau an: „Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte.“
      1. Wären wir bereit so großzügig von „unserem“ Besitz zu geben, um die Gemeinschaft zu unterstützen?
      2. Wären wir bereit „je nachdem es einer nötig hatte“ zu geben, ohne zu wissen genau wem es gegeben werden würden? Warum? Siehe auch 1 Kor 16,1-3.
    3. Wie beeinflusst unser Verständnis von „Besitz“ unsere Antworten? Denken wir, wir haben verdient, was wir haben? Oder denken wir unser Besitz ist uns von Gott anvertraut, in einer Art zu gebrauchen dem Nächsten zu dienen?
  5. Lies Galater 6,10 – „Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.“ Ist dieser Vers vor diesem Hintergrund sinnvoller?

Die Kirche kümmert sich um andere  

  1. Berufung: Die lutherische Herangehensweise sich um andere zu kümmern.
    1. Gott hat uns in bestimmte Rollen (Stände) hineingestellt, in denen wir in Beziehung zu anderen stehen. Diesen sollen wir dienen genau wie Christus uns gedient hat.
    2. An welche verschiedenen Rollen kannst du denken in die dich Gott gestellt hat?
      1. Martin Luther, im Kleinen Katechismus, schreibt im Lehrstück vom Amt der Schlüssel und der Beichte: Da siehe deinen Stand an nach den zehn Geboten, ob du Vater, Mutter, Sohn, Tochter bist, in welchem Beruf und Dienst du stehst?
      2. Die Reihenfolge der verschiedenen Berufungen: Famile, Kirche, Gemeinschaft. Wir sollten mit unseren Nachbarn, die uns am nächsten liegen, anfangen und dann nach außen arbeiten.
    3. Christliche Fürsorge ist geistlich und leiblich zugleich; für Leib und Seele.
      1. Wie kümmert sich Gott um dich? Gott kümmert sich nicht nur in theoretischer Art. Er greift ein!
        1. Bedenke die Erklärung zum ersten Artikel: „Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält; dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter; mit aller Notdurft und Nahrung des Leibes und Lebens mich reichlich und täglich versorget, wider alle Fährlichkeit beschirmet und vor allem Übel behütet und bewahret; und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohn all mein Verdienst und Würdigkeit; des alles ich ihm zu danken und zu loben und dafür zu dienen und gehorsam zu sein schuldig bin. Das ist gewisslich wahr.“
        2. Oder die Erklärung zur vierten Bitte: „Was heißt denn täglich Brot?
          Alles, was zur Leibes Nahrung und Notdurft gehört, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromm Gemahl, fromme Kinder, fromm Gesinde, fromme und getreue Oberherren, gut Regiment, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.“
      2. Was lehrt uns die Inkarnation Jesu Christi über die Bedeutung von Körper und Seele, wie Gott uns Liebe zeigt? (Lies Johannes 1,1-5; 2. Korinther 8,9; Philliper 2,6-7)
      3. An diesem göttlichen Beispiel kannst du einige Arten erkennen, wie Gottes Liebe zu anderen in unserer Gesellschaft sichtbar wird. Sind da konkrete Nöte in deinem Umfeld sichtbar? (Benutze Mt 25,31-40 als Brille für diese Übung.)
    4. Betrachte den Unterschied zwischen Kollekte und Almosen
      1. Kollekte: Die Unterstützung des Amtes, der Verkündigung und der Kirche: Gehalt, Gebäudeerhaltung, Grundstückspflege, Mission.
      2. Almosen: finanzielle Unterstützung für die Versorgung der Notleidenden. (Witwen, Waisen, Arme, Hungernde usw.)
    5. Welche Vorteile gibt es, als Kirche zu agieren, eher als alleine? (Mt 5,16)
    6. Was befähigt uns schließlich, uns nicht mehr auf uns selbst zu konzentrieren und uns um andere zu kümmern?
      1. Wir wissen, dass wir einen Vater im Himmel haben, der uns alles gibt was wir brauchen.
      2. Wir wissen, dass wir nur die Liebe widerspiegeln können, die Christus uns am Kreuz erwiesen hat.

Es gibt viele Beispiele aus der frühen Kirche im Neuen Testament, die uns zeigen, wie diese sich um ihre Brüder in der Kirche gekümmert haben. Um 49 n.Chr. überbrachte der Apostel Paulus finanzielle Unterstützung von der Gemeinde in Corinth, zu den Gemeinden in Jerusalem, die an einer Hungersnot litten. 100 Jahre später (166-188 n.Chr.), in der Zeit der Antoninischen Pest, benötigte Corinth Hilfe. Zur selben Zeit wurden die Christen auch im römischen Reich vom Kaiser verfolgt, weil dieser ihnen vorwarf, die Ursache der Pest zu sein. Und wieder ergriff der Leib Christi die Initiative und dieses Mal konnte Rom finanzielle Unterstützung leisten und die Kirche in Korinth konnte dieses Geld gebrauchen, denen in der Kirche und außerhalb der Kirche – an Leib und Seele – zu dienen. Im Angesicht der Plagen und Verfolgung, wuchs die Kirche, weil die Ungläubigen sehen konnten, dass die christliche Fürsorge für einander wichtiger war als die Angst vor dem Tod. Gott gib, dass wir auch mutige Zeugen sein können in dieser Zeit, indem wir uns um andere kümmern!

Kristin Straeuli, FELSISA Stewardship Coordinator

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