Interview: Seelsorge vor der Ehe

Pastor Martin K. Paul wurde am 5. Dezember 2021 ordiniert und dient seitdem der St. Paul’s Gemeinde Johannesburg. Er lebt mit seiner Frau Nicola und seinen drei Kindern in Johannesburg. Pastor Paul hat die erforderliche Examensarbeit zum Thema Voreheliche Beratung: Ein zeitgemäßer und praktischer Leitfaden auf der Grundlage einer empirischen Befragung  der Jugend der FELSISA bezüglich der Ehe geschrieben.

Frage (F): Könntest du kurz erklären, worum es in der Arbeit geht?

Antwort (A): In der Arbeit geht es um die Ehevorbereitung eines Paares aus biblischer Sicht. Ziel war es auch gleichzeitig, die wahrgenommenen Stärken und Schwächen der Ehe in der FELSISA aus biblischer Sicht zu ermitteln. Sie basiert auf der Tatsache, dass die einzige Quelle für eine dauerhafte, glückliche Ehe Gottes Wort ist.

F: Vor welchem Hintergrund kann man die Ehe, mit ihrer einzelnen Verantwortungen, am besten verstehen?

A: Für ein richtiges Verständnis der Ehe ist der Glaube notwendig. Es ist eigentlich ganz einfach. Wie der Glaube ist auch die Ehe ein Geschenk Gottes.  Wir haben es nicht verdient, geliebt zu werden, aber durch die Gnade Gottes und aufgrund des Todes Jesu Christi können wir uns in einer Liebesbeziehung befinden, die uns geschenkt wurde.

Gleichzeitig kommen spezifische Verantwortungen ins Spiel. In dem Wort „Verantwortung“ steckt das Wort „Antwort“. Verantwortung ist eine Antwort auf Gottes Wort, auf Gottes Ruf. Wir können dies auch als Glauben bezeichnen. Auch wenn wir im Glauben antworten, tun Mann und Frau das unterschiedlich. Ich antworte nicht auf Gottes Wort, indem ich Kinder zur Welt bringe, diese Gabe ist vielmehr meiner Frau gegeben. Egal wie stark mein Glaube ist – ich kann kein Kind gebären. Dennoch gibt es einige Verantwortungen, die wir teilen, z.B.: „Du sollst nicht Ehe brechen“. Beide, Mann und Frau, haben also ihre einzigartige Verantwortung oder Berufung, aber auch ihre gemeinsame Verantwortlichkeit. Nach meinem Verständnis ist eine Scheidung daher immer eine Folge des mangelnden Glaubens von mindestens einem der Ehepartner.

F: Warum ist eine weltliche Sicht der Ehe problematisch?

A: In der heutigen Welt denken viele Menschen, dass es in der Ehe darum geht, sich persönlich und individuell zu erfüllen. Sobald das nicht der Fall ist, wird die Scheidung in Erwägung gezogen. Eine christliche Ehe hingegen ist selbstlos. Ein Ehepartner ist immer bestrebt, dem anderen durch „gute Werke“ zu dienen. Doch „gut“ ist hier im christlichen Sinne zu verstehen. „Gut“ bedeutet nicht immer glücklich. Gut kann auch schwierig bedeuten! Es kann schwer sein, einen Ehepartner zu lieben, der nach Pornographie süchtig war/ist oder der ständig betrunken ist oder den Gottesdienst nicht besuchen will. Doch aus christlicher Liebe bleibt man diesem Ehepartner treu, auch wenn es schwer fällt. Eine weltliche Sicht hat jedoch keine Geduld für Schwierigkeiten und das dringt auch in die FELSISA ein.

F: Wie sollten Paare mit Sünde in der Ehe umgehen?

A: Sobald man mit der Sünde in der Ehe allein fertig werden will, ohne Jesus Christus, ist man auf dem Holzweg. Vergrößert euren eigenen egoistischen Kreis und richtet ihn auf Christus aus. Besser noch: Christus kommt und durchbricht den egoistischen Kreis und macht ihn größer! Christus allein vergibt die Sünde, und er allein schenkt den Glauben, dem Ehepartner gegenüber vergebungsbereit zu sein. Nur so wird mit Sünde in der Ehe umgegangen.

Das kann auf verschiedene Weise geschehen. Man kann persönlich zu seinem Pastor gehen, der einem Gottes Wort der Vergebung zusprechen kann. Man kann zur Heiligen Schrift laufen und dort kraftvolle göttliche Worte lesen. Man kann zur Kirche laufen, zum Tisch des Herrn und die Gewissheit seiner Vergebung unter Brot und Wein empfangen.

F: Was bedeutet es wirklich, „sich seinem Mann unterzuordnen“?

A: Unterwürfig im christlichen Sinne bedeutet nicht, dass man unterdrückt wird, dass man minderwertig oder inkompetent ist. Es bedeutet vielmehr, den Wunsch des anderen an die erste Stelle zu setzen und das Wohl des anderen zu fördern. Dadurch spiegelt die Frau ihr Verhalten „wie dem Herrn“ (Epheser 5, 21) wider und sieht ihren Mann als Stellvertreter Christi. Das bedeutet nicht, dass sie zu Hause bleiben muss. Es bedeutet, dass ihr ihre Familie wichtiger ist als ihre Arbeit.

F: Was bedeutet es als Ehemann das Haupt zu sein?

A: Es bedeutet, dass ein christlicher Mann sich selbst demütigt und erkennt, dass seine Stellung als Haupt ein Geschenk ist und dass er nicht der Besitzer eines anderen ist, sondern dass ihm die Gabe gegeben wurde, für eine andere Person zu sorgen. Deshalb schätzt er seine Frau mehr als alles andere. Gleichzeitig teilt er den Glauben, den er empfangen hat, mit ihr und seiner Familie. Ohne Einsatz des Ehemannes hat die Ehefrau, statistisch gesehen, keine Chance, ihre Kinder allein in der Kirche zu behalten. Wenn die Beziehung des Ehemannes zum Herrn beeinträchtigt ist, wird auch seine Beziehung zu seiner Frau beeinträchtigt sein. Je mehr der Ehemann ein christusähnliches Haupt darstellt, desto leichter kann die Frau sich ihm unterordnen.

F: Wie ist eine christliche Ehe immer eine öffentliche Angelegenheit und eine Waffe gegen das Chaos?

A: Je mehr das Wort Gottes im Mittelpunkt der Ehe steht, desto mehr werden diese Menschen vereint sein. Christliche Familien helfen dabei, ihre Kinder zu einem einheitlichen Glauben zu erziehen, und das hilft, die gesamte Gemeinschaft zu schützen, nicht nur innerhalb der Kirche, sondern auch in der Gesellschaft. Wenn man nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist, endet man in einer zerbrochenen Gesellschaft, in der sich niemand mehr um den anderen kümmert und Kriege ausbrechen, die die Gesellschaft zerstören. Christen hingegen schätzen sich und ihren Nächsten bis hin zum Tod für einen anderen, und das ist eine Waffe gegen das Chaos.

F: Die Statistiken über den Konsum von Pornografie sind sehr beunruhigend. Was sollte getan werden, um dieses Thema angemessen zu bekämpfen?

A: Als ich aufwuchs, dachte ich, es sei normal, dass jeder männliche Teenager Pornografie schaut, aber was ich eigentlich hätte hören müssen, wäre Gottes Wort gewesen! Vor allem Väter müssen Gottes Wort hören, damit auch sie ihren Kindern, insbesondere ihren Söhnen, Gottes Wort vermitteln können. Bei der Pornografie geht es nur um sofortige Befriedigung. Sie ähnelt einem Leben ohne Verpflichtung, ohne Verantwortung und ohne Glauben! Traurigerweise suchen die Pornosüchtigen das Gleiche bei ihren Ehepartnern, wodurch sie sie zu Objekten machen und Chaos in die Ehe bringen. Am Ende werden Ehen zerstört, weil sie dem anderen nicht dienen. Auch hier liegt die Lösung nicht in dem Versuch, sich selbst zu enthalten, sondern darin, Gottes mächtiges Wort zu hören. Sowohl Gesetz als auch Evangelium! Wenn man dieses Wort hört, fällt die Enthaltsamkeit umso leichter. Leider werden heutzutage letztendlich viele Ehefrauen für süchtige Ehemänner zu einem Wort Gottes, weil bis zu diesem Zeitpunkt niemand anderes das für sie war. Das macht die Ehe von Anfang an schwer. Zum Glück gibt es auch in diesen Ehen Vergebung, wenn Gottes Wort im Mittelpunkt bleibt.

F: Es hat auch den Anschein, dass die Jugendlichen in der FELSISA nicht gut über Verhütungsmittel, Fertilitätsbehandlungen und insbesondere deren Folgen informiert sind. Kannst du einige Hinweise geben, worauf man achten sollte?

A: Nur ein paar Dinge, die man beachten sollte: Rechtlich gesehen ist es legal, die Implantation einer befruchteten Eizelle, also eines menschlichen Wesens, in der Gebärmutter zu hemmen, ohne dass das Medikament als „abtreibend“ bezeichnet wird. Wenn in der Gebrauchsanleitung des Verhütungsmittels steht, dass es keine „Abtreibungsmittel“ enthält, bedeutet das nicht unbedingt, dass es nicht bereits befruchtete Eizellen (also einen Menschen) auf dem Weg in die Gebärmutter tötet.

Das Gleiche gilt für Fertilitätsbehandlungen. Aus rechtlicher Sicht wird die Vernichtung einer bereits befruchteten Eizelle, also eines menschlichen Wesens, nicht als Abtreibung eines Kindes angesehen. Wir als Christen müssen Verantwortung übernehmen, indem wir entweder alle befruchteten Eizellen einpflanzen, welches das Leben der Mutter in Gefahr bringen kann, oder jeweils nur eine Eizelle befruchten lassen, welches sehr teuer wäre.

Wir danken Pastor Paul für die informativen Antworten und wünschen ihm und seiner Familie Gottes Segen für ihren Dienst in der Kirche und Synode.

(Das Interview wurde geführt von Angelika Johannes, Panbult)

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