Kirchenmusikalische Notizen: Musik zu Weihnachten

Kirchenmusikalische Notizen: Musik zu Weihnachten

Kirchenmusikalische Notizen: Musik zu Weihnachten

Es ist Weihnachten. Und zu Weihnachten gehört selbstverständlich auch Weihnachtsmusik. Und das in jeder erdenklichen Form – von Pop (Boney M.) bis Klassik (Bachs Weihnachtsoratorium). Aber zwischen diesen beiden Polen gibt es eine Menge an Musik zu entdecken. Ich möchte hiermit drei Aufnahmen mit Weihnachtsmusik vorstellen, die mir persönlich sehr am Herzen liegen und die ich vorbehaltslos empfehlen möchte:

„Freue dich, du Tochter Zion“ (Vocalensemble Rastatt / Les Favorites / Dir. Holger Speck / Carus Verlag, 2013)

Das Vocalensemble Rastatt, ein professionelles Ensemble, welches sich aus jungen Sängern aus ganz Deutschland zusammensetzt, musiziert auf dieser CD Barockmusik zur Weihnachtszeit. Dabei erklingen Motetten von Andreas Hammerschmidt, Johannes Eccard, Johann Hermann Schein und Johann Rosenmüller. Ich war selbst von 2008 – 2012 festes Mitglied in diesem Ensemble und denke gern an das leidenschaftliche Musizieren in diesem Spitzenensemble zurück. (Leider war ich bei dieser Aufnahme 2013 nicht mehr dabei.)

Nebst bekannten Klassikern wie „Übers Gebirg Maria geht“ (hier vom Tempo her etwas schneller als in der FELSISA gewohnt) sind einige Stücke auf der CD Weltersteinspielungen, so z.B. die Motette von Johann Rosenmüller „Also hat Gott die Welt geliebet.“

Persönliches Highlight ist für mich die Kantate von Vincent Lübeck „Willkommen, süßer Bräutigam“ – ein Stück, das mich seit meiner Kindheit begleitet. In dieser Qualität ist die Motette bislang noch nie auf CD erschienen. Besonders hervorheben muss man die beiden Solistinnen

Maria Bernius und Felicitas Erb, die mit einer wunderbaren Textverständlichkeit und leuchtenden Innigkeit musizieren. Begleitet werden die Sänger vom bestens disponierten Barockorchester „Les Favorites“, welches auf historischen Instrumenten spielt.

Der Dirigent Holger Speck versteht es, durchweg den Text in den Mittelpunkt zu stellen. So entstand eine CD, die nicht nur von der Klangpracht, sondern auch vom Inhalt her zur Einkehr und Besinnung einlädt.

Heinrich Schütz „Weihnachtshistorie“ (Dresdner Kammerchor / Dresdner Barockorchester / Dir. Hans-Christoph Rademann / Carus Verlag, 2014)

Diese Aufnahme, als Vol. 10 der Schütz-Gesamtaufnahme des Dresdner Kammerchores unter Hans-Christoph Rademann erschienen, beinhaltet neben einigen weiteren Advents- und Weihnachtswerken eines der berühmtesten Werke des Komponisten Heinrich Schütz (1585 – 1672): seine „Weihnachtshistorie.“ Auf beeindruckende Weise wird hier die Geschichte von Jesu Geburt, wie sie in Lukas 2 aufgezeichnet ist, in Musik umgesetzt.

Der Dresdner Kammerchor singt in gewohnter Weise hervorragend transparent, deklamatorisch und einfühlsam, kongenial begleitet vom Dresdner Barockorchester (auf originalen Instrumenten der Schütz-Zeit).

Highlight dieser Aufnahme ist aber der Tenor Georg Poplutz, der die Hauptaufgabe hat, den Text aus Lukas 2 zu rezitieren. Mit glasklarer und heller Stimme singt, nein erzählt er die Weihnachtsgeschichte so ergreifend und lebensnah, dass man die Szenen lebendig vor Augen zu scheinen hat. Alles in allem eine hervorragende Aufnahme, die sicherlich Referenzcharakter hat.

 

 

 

 

 Und dann: mein „personal favourite“:

 Michael Praetorius „Christmette“ (Gabrieli Consort & Players / Dir. Paul McCreesh / Archiv Produktion, 1994)

 Ich muss vorweg bereits um Entschuldigung bitten, wenn ich bei dieser CD ins Schwärmen gerate. Aber sie gehört für mich zum Besten, dass jemals auf CD verewigt wurde. Tatsächlich gibt es Aufnahmen, die Maßstäbe setzen und nach Jahren immer noch zu den Bestsellern gehören. Die „Christmette“ von Paul McCreesh und seinem Gabrieli Consort ist solch eine Aufnahme. 1994 aufgenommen, wurde sie jüngst wieder neu aufgelegt und stellt nach wie vor einen Höhepunkt in der Weihnachtsdiskographie dar.

Damit ich es ganz klar gesagt habe: solch eine Klanggewalt habe ich noch nie zuvor gehört! Zusammen mit seinem Gabrieli Consort, den Chören des Domes in Roskilde (Dänemark), sowie mit unzähligen Gemeindechören aus der Umgebung hat McCreesh in der wunderbaren Akustik in Roskilde einen lutherischen Weihnachtsgottesdienst, wie er um 1620 stattgefunden haben könnte, zusammengestellt. Dabei stehen die unübertrefflichen mehrchörigen Werke des Komponisten Michael Praetorius (1571 – 1621) im Mittelpunkt. Die gesamte Liturgie wird gesungen – sogar die Abendmahlsliturgie! Und ja, es hat sich über die Jahrhunderte kaum etwas verändert. Der aufmerksame Hörer wird einiges aus unserer Gottesdienstordnung wiedererkennen.

Es fällt schwer, Highlights zu benennen – es ist alles von umwerfender Schönheit. Aber der Schlussgesang „In dulci jubilo“ hebt das Ganze in eine andere Dimension. Es ist, als würde sich der Himmel auftun. „Eia wär’n wir da!“

Gänsehaut pur!

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Zugegeben, es handelt sich bei allen drei Aufnahmen ausschließlich um Musik der Barockzeit. Vielleicht bin ich ja etwas voreingenommen… Aber tatsächlich, es muss nicht immer „O du fröhliche“ oder „Ihr Kinderlein kommet“ oder gar Bachs „Weihnachtsoratorium“ sein – der Blick über den Tellerrand lohnt sich allemal!

(Die Aufnahmen sind allesamt über Amazon oder iTunes erhältlich.) 

Pastor Roland Johannes, Wartburg

 

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