Lutheran Leadership Development Program (LLDP)

LLDP participants in the November 2019 classes pose with LLDP instructors. [Left-most row, l-r diagonally ascending the stairs: Deputy Bishop Helmut Paul (FELSISA); District Pastor Daniel Mono (ELCT-SELVD); Bishop Emmanuel Makala (ELCT-SELVD); General Secretary Teshome Amenue (EECMY); Tsegahun Assefa, Director of Children and Youth (EECMY). Middle row, l-r diagonally ascending the stairs: Rev. Dr. Naomichi Masaki, LLDP Director; President John Donkoh (ELCG); and Rev. Dr. Timothy Quill, LLDP faculty and General Secretary (ILC); Right-most row, l-r diagonally ascending the stairs: Rev. Dr. Bruk Ayele (EECMY); Deputy Bishop Mandla Thwala (LCSA); Bishop Modise Maragelo (LCSA); and Professor John Pless, LLDP faculty and Assistant Professor (CTSFW).

„Ich wünsche dir lehrreiche Erfahrungen an diesem Programm, aber komm uns nur nicht zu gelehrt zurück!“ So wurde ich vor der Abreise zu der ersten Einheit (von insgesamt sechs) der Weiterbildung, Lutheran Leadership Development Program (LLDP), von einem Gemeindeglied im Scherz ermahnt.

Weise Worte, die ich mir zu Herzen genommen habe. Worte, die ich stets als Mahnung im Ohr habe. Denn, was nützt die Weiterbildung eines Pastors, wenn sie nicht zum Wohl der Gemeinde, zum Dienst der Kirche, zum Bau des Reiches Gottes geschieht!

Inzwischen blicke ich auf drei Einheiten dieser Weiterbildung mit großer Dankbarkeit für diese wunderbare Gelegenheit zurück. Intensiv sind die Vor- und Nacharbeiten neben Gemeindearbeit und Familienleben, auch gefüllt mit vielem Lesen und Studieren während der zweiwöchigen Einheiten. Doch meines Erachtens ist diese Weiterbildung besonders sinnvoll, gewinnbringend und des Aufwands – auch von Professoren, die viel Zeit für diese Sache hergeben – lohnend. Diese Weiterbildung, Lutheran Leadership Development Program (LLDP), ist eine Initiative des ILC (International Lutheran Council) in Zusammenarbeit mit der Lutheran Chuch – Missouri Synod (LCMS), Concordia Publishing House (CPH) und Concordia Theological Seminary in Fort Wayne (CTSFW). Sie ist bestrebt, lutherische Kirchen in aller Welt die Möglichkeit zu bieten, Leiter auszubilden, die sowohl über fundierte konfessionelle lutherische Theologie als auch über praktische Fähigkeiten in den Bereichen Leitung und Ressourcenmanagement verfügen, wie z. B. Organisationsdynamik, Aufgabenmanagement, Haushaltsplanung, strategische Planung und Rechenschaftspflicht (accountability).

Zwölf Teilnehmer, allesamt aus lutherischen Kirchen in Afrika, bilden Teil der ersten Gruppe dieser Weiterbildung. Die erste zweiwöchige Einheit fand Mitte Februar 2019 in Wittenberg, Deutschland, im International Lutheran Center statt. Hier wurden die lutherischen Bekenntnisschriften intensiv studiert. Erneut wurde mir dabei klar: Reine Lehre und ein klares Bekenntnis zu Christus ist nötig und wichtig, nicht wegen Rechthaberei und Niedergucken auf andere, sondern geradezu aus Liebe zu Christus und seiner Kirche, aus Liebe zum Nächsten, zum Trost der angefochtenen Gewissen. In einer weiteren Einheit wurden unterschiedliche Ansätze verschiedener Kirchenkörper, vor allem der ILC und der LWB (Lutherische Welt Bund), näher betrachtet. Neben lehrreichen Unterrichtseinheiten und fruchtbarem Austausch am Esstisch oder beim Spaziergang, bildeten verschiedene Ausflüge in die Lutherstadt Wittenberg als auch nach Torgau und Eisleben ein abwechslungsreiches Erlebnis des Lernens.

Die zweite und dritte Einheit fand im Juli und November des vergangenen Jahres 2019 in Fort Wayne, USA, statt. Auch hier waren die Unterrichtseinheiten und der Austausch sehr lehrreich. Es wurde näher auf die Geschichte der lutherischen Kirche, insbesondere auch die in der USA, eingegangen. Dankbar können wir gerade wieder in solchen Zeiten der Koronakrise werden, für den Reichtum der Geschichte und für den Schatz der Tradition, die uns zugänglich und für sinnvollen Einsatz hilfreich ist. Wer die Geschichte kennt, der lernt aus den Erfahrungen der Männer und Frauen der Vergangenheit, der lernt aus ihrer Treue, aber auch aus ihren Fehlern, der ist bewusst, dass viele Themen und Krisen und vieles mehr erneut immer wieder an die Oberfläche kommen, womit sich andere schon längst befasst haben, der wird auch demütig im Blick auf seine eigene Weisheit und seine eingeschränkten Kenntnisse. Gegenwärtige Krisen der Lehre und des Lebens der Kirchen wurden somit ebenfalls unter Betracht gezogen und es wurde überlegt, wie mit der Heiligen Schrift auf solche Fragen zu antworten wäre. Auch wurde zur verantwortlichen Leitung und zu glaubwürdigen Leitern eine Lehreinheit angeboten, welches in Afrika besonders relevant ist.

Besonders wertvoll waren auch die Einblicke, die Teilnehmer dieser Gruppe zwischendurch in ihr Leben als Leiter ihrer Kirche gegeben haben, wo sie über Erfahrungen des Erfolgs, über Herausforderungen, über Freude und Leid teilten. Demütig wurde ich dabei, zu erkennen, wie klein die FELSISA doch eigentlich ist, neben solche großen – wenn auch relativ jungen – lutherischen Kirchen in Afrika. So z.B. die Mekana Yesus Kirche in Äthiopien (EECMY), die durch 3 Teilnehmer in unserer Gruppe vertreten ist, die zur Zeit eine außerordentliche Erfahrung durchmacht. Während die Zahl der Mitglieder inzwischen jährlich mit fast einer Million steigt, stehen diese vor der Herausforderung, neu entstandene Kirchen mit kompetenten Leitern zu besetzen, mit treuen Pastoren, die den Leuten nicht einfach eine Verkündigung bieten, nach der ihre Ohren jucken, sondern das reine Evangelium, das sie unbedingt brauchen.

Während des Programms ist auch der Austausch mit den Kollegen unserer Schwesterkirche, der LCSA, von hohem Wert. Bischof Modise Maragelo und Deputy Bischof Mandla Thwala – der erst bei der zweiten Einheit dazu stoßen konnte – konnte ich in dieser Zeit gut kennenlernen. Hier hat man nämlich die Gelegenheit nicht nur wie bei einer Synode oder einer anstehenden Versammlung sich kurz zu treffen, sondern über zwei Wochen jeweils einen gemeinsamen Weg des Lernens zu gehen.

Durch solche Initiativen wie die der Lutheran Leadership Development Program (LLDP) werden Brücken zwischen Kirchen gleichen Bekenntnisses gebaut und man bekommt die Gelegenheit von anderen zu lernen und seine Erfahrungen anderen mitzuteilen. Auch werden Freundschaften geschlossen und verschiedene Professoren, die Kenner auf bestimmten Gebieten sind, werden einem vertraut. Solche sind dann in der Zukunft per Email erreichbar, deren Wissen man so anzapfen könnte.

Dankbar wurde ich bei dem Austausch der gesamten Gruppe für den Reichtum unserer Kirche. Erneut wurde mir bewusst, wie viel uns von Gott anvertraut ist. Die FELSISA kann zurückblicken auf eine lange, segensreiche Geschichte. Dankbar können wir sein für kompetente, gut ausgebildete Pastoren und erfahrene Leiter der Kirche in Vergangenheit und Gegenwart, für viele Gemeindeglieder, die so viele Gaben mit unermüdlichem Einsatz in ihren Gemeinden einbringen, für einen fundierten Gemeinde- und Konfirmandenunterricht, für die reichen Kenntnisse lutherischer Theologie, die in der FELSISA vorhanden sind, wo fast jeder den Inhalt des Kleinen Katechismus auswendig gelernt hat. Dankbar kann man auch sein für die reiche Tradition der Chöre in unserer Kirche. Weiterhin für eine gut etablierte und feste Kirchenstruktur und stabile finanzielle Systeme. Darüber hinaus für unsere heutige Lage, nämlich, dass die FELSISA keine Vakanzen hat, welches ein großer Luxus weltweit ist!  Allesamt reiche Gaben unseres gütigen und gnädigen himmlischen Vaters, die aber mit großer Verantwortung einhergehen! „Denn wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern“ (Lk 12,48).

Möge Gott geben, dass in Zeiten der jetzigen Krise und des offensichtlichen Rückgangs der Synodalglieder in unserer Kirche wir nicht verzagen und zaghaft und zögerlich handeln, sondern freimütig und zuversichtlich den Auftrag Christi nachgehen, in volles Vertrauen auf Christus. Wie einer es so gut formulierte: „ Wir nehmen mit fester Zuversicht die Aufgabe wahr, die Christus seiner Kirche gegeben hat, indem wir ihn nicht nur an der Ziellinie wissen als der, der auf uns wartet, sondern indem wir ihn, Christus, an unserer Seite wissen, Christus für uns, Christus mit uns, aber auch Christus in uns, der uns stärkt und uns durch alles, was wir tun, trägt!”

Stellvertreter des Bischofs, Pastor Helmut Paul, Wittenberg

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