Candles burning in Church - Bekenntnisschriften über die Beichte

Wir glauben, lehren und bekennen… Was sagen die Lutherischen Bekenntnisschriften über die Beichte?

Wie der Reformator Martin Luther in der ersten seiner 95. Thesen von 1517 bereits andeutete, gründet die kirchliche Bedeutung der Buße auf dem neutestamentlichen Bußruf (das griechische Wort hier hat die Bedeutung „den Sinn ändern, das Leben/Verhalten ändern, umkehren, Buße tun, sich bekehren“; vgl. Apostelgeschichte 2, 38; 8, 22; 17, 30; 26, 20 usw.).

Warum wird der Mensch zur Buße, zur Umkehr gerufen? Dass es im Leben nicht immer glatt und problemlos läuft, ist eine allgemein menschliche Erfahrung. Die Bibel benennt dies und bezeichnet es als Schuld gegenüber unseren Mitmenschen und als Sünde Gott gegenüber. Wenn die Bibel von Schuld und Sünde spricht, nimmt sie nicht die menschlichen Maßstäbe als Richtschnur. „Ich bin doch ein ganz anständiger Mensch, halte mich an die Gesetze, Spende für einen guten Zweck und gehe, zumindest meistens, ordentlich mit meinen Mitmenschen um.“ Das will hier auch keiner bestreiten, dass dem so ist. Dennoch sind das menschliche Richtlinien. Nach Gottes Bestimmungen (10 Gebote) sieht das anders aus. In Gottes Augen scheitern wir tagaus tagein an den 10 Geboten. Schuld und Sünde sind nach Aussage der Bibel das Hauptproblem der Menschen. Die Bibel sieht das ganz realistisch. Es nützt nichts diese Tatsache zu verdrängen, weil es in uns trotzdem weiter wühlt und arbeitet. Die Lutherischen Bekenntnisschriften sprechen von Schuld und Sünde, zum einen weil die Bibel davon spricht, zum anderen aber auch weil es die Wirklichkeit der menschlichen Existenz ist. Gottes Wort und auch die Lutherischen Bekenntnisschriften nehmen den Menschen ernst, gerade auch mit seinen Mängeln und Verfehlungen. Schuld und Sünde auf der einen Seite und Gemeinschaft mit dem heiligen Gott passen nicht zueinander. Die Frage ist, wie dieser trennende Graben überwunden werden kann und Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch wieder hergestellt werden kann.

Jesus Christus hat der Kirche den Auftrag und die Vollmacht gegeben, Sünden zu vergeben, oder aber, wenn ein Mensch nicht von seinem alten Leben umkehrt, die Sünden zu behalten: „Jesus sprach zu seinen Jüngern: Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten“ (Johannes 20, 21-23).

Für die Lutherischen Bekenntnisschriften ist die Absolution (Vergebung) das Hauptstück der Beichte. Gott wirkt die Vergebung durch die Worte des Pastors („Dir sind deine Sünden vergeben“). Gottes Wort bewirkt das, was es sagt. Gott spricht den Menschen von seinen Sünden los, der trennende Graben wird überwunden, die Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch wird wieder hergestellt. Mit dem Zuspruch der Vergebung, wird dem Menschen alles endgültig vergeben, was ihn von Gott trennt und womit er vor Gott nicht bestehen kann. Das Wort von der Vergebung ist Gottes Tat und die Hauptsache in der Beichte.

Für Luther wurde die Absolution durch die spätmittelalterliche Beichttheorie und –praxis verdeckt und verschwiegen. Man achtete darauf, dass der Mensch genug Reue zeigte und seine Sünden vollständig bekannte, woraufhin dann die genau berechnete Genugtuung folgen sollte. Dadurch aber hat man den Evangeliums-charakter der Beichte ins Gesetzliche verkehrt.

Wer reumütig erkennt, dass er Gottes Gericht verdient hat, der erschrickt über seine eigene Sünde. Dies ist aber nicht das Wichtigste in der Beichte. Sondern das Wichtigste ist das Evangelium, dass dem Menschen die Gnade Gottes bedingungslos zuspricht. Deswegen kann Luther im Großen Katechismus schreiben, dass „die Beichte zwei Teile umfasst. Der erste ist unser Werk und Tun, dass ich meine Sünde klage und begehre Unterstützung und belebende Stärkung für meine Seele. Der andere ist ein Werk, das Gott tut, der mich durch das Wort, das er dem Menschen in den Mund gelegt hat, von meinen Sünden freispricht […] Darum sollen wir die Sache so betrachten, dass wir die beiden Teile weit auseinanderhalten und unser Tun gering, aber Gottes Wort hoch und groß achten. Und wir sollen nicht darangehen, als wollten wir eine verdienstvolle Leistung erbringen und sie Gott schenken, sondern wir sollen nur von ihm nehmen und empfangen.“

„Unser Werk und Tun“ ist jedoch keine verdienstliche Liebe zu Gott, keine aktive Reue, sondern eine passive Reue, verursacht durch den „Blitzstrahl Gottes“, den „Hammer“ seines Wortes, „der die Felsen zerschmettert“ (Jeremiah 23, 29), wie Luther es in den Schmalkaldischen Artikeln bildhaft und eindrucksvoll darstellt. Die wahre Reue ist also kein Menschenwerk, sondern Gottes Geschenk in seiner Gnade.

Was also in der Beichte geschieht, ist im Grunde genommen das Zusammenspiel von Gesetz und Evangelium als Gottes Wort bzw. seine beiden Handlungsweisen: „Wo das Gesetz aber ohne das Hinzufügen des Evangeliums allein dieser Aufgabe nachkommt, da sind der Tod und die Hölle. Und der Mensch muss wie Saul und Judas verzweifeln […] Andererseits gibt das Evangelium nicht [nur] auf eine Art Trost und Vergebung, sondern durch das Wort, das Sakrament und dergleichen.“

Darüber hinaus spricht man in der Beichte auch von „Genugtuung“, doch sie wird nicht von dem sündigen Menschen geleistet, sondern von Christus: „So kann auch die Genugtuung nicht ungewiss sein, denn sie besteht nicht in unserem ungewissen, sündlichen Werk, sondern im Leiden und Blut des unschuldigen Lammes Gottes, das der Welt Sünde trägt‘ [Johannes 1, 29].“

Diese Grundeinsicht bekennt der 25. Artikel des Augsburgischen Bekenntnisses: „Dabei wird das einfache Volk unermüdlich darin unterwiesen, wie tröstlich das Wort der Lossprechung sei und wie hoch die Lossprechung zu achten sei, denn sie sei nicht die Stimme oder das Wort des gegenwärtigen Menschen, sondern Gottes Wort, der die Sünde vergibt. Denn sie wird an Gottes Statt und aus Gottes Befehl gesprochen.“ Und am Ende des Artikels heißt es, dass die Beichte wegen der Absolution (Lossprechung) beibehalten werden soll.

Die Beichte ist die Fortsetzung der heiligen Taufe, in der der alte Adam ersäuft wird und ein neuer Mensch in Christus aufersteht. Durch die Absolution empfangen wir Gottes Geschenk, nämlich Vergebung der Sünden und „das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn“ (Römer 6, 23).
Luthers Worte im Großen Katechismus verdeutlichen dies sehr schön: „Und hier erkennst du, dass die Taufe mit ihrer Wirkung und ihrer Bedeutung auch das sogenannte dritte Sakrament, die Buße, einschließt, die eigentlich nichts anderes ist als die Taufe […] Also ist die Buße nichts anderes als eine Rückkehr und Wiederannäherung an die Taufe, womit man das wiederaufnimmt und fortsetzt, was man zuvor angefangen, aber unterbrochen hat.“

Die Absolution ist Rechtfertigung des Sünders allein aus Gnaden, um Christi willen, durch den Glauben. Der Beichte folgen dann die „Früchte der Buße“, die jedoch nicht die Absolution ausmachen oder in Frage stellen und selbstverständlich nichts sind, womit wir uns etwas verdienen können, wie es im 12. Artikel des Augsburgischen Bekenntnisses zu lesen ist: „Darauf soll auch eine Besserung folgen, dass man von den Sünden lasse; denn das sollen die Früchte der Buße sein, wie Johannes [der Täufer] sagt in Matthäus 3[,8]: ‚Wirkt rechtschaffene Früchte der Buße.‘“

Abschließend ist noch zu erwähnen, dass die Beichte etwas ganz Besonderes ist. Gott schließt uns in der Beichte immer und immer wieder von neuem in seine Arme, sodass wir getrost nach vorne blicken können. Mit den Worten Luthers im Großen Katechismus: „Wärest du ein Christ, so solltest du so froh darüber werden, dass du gerne über hundert Meilen darnach laufen möchtest, und solltest dich nicht nötigen lassen, sondern kommen und uns (den Pastoren) dazu zwingen.“

Pastor Martin Paul, Pretoria

 

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