Nachruf – Roland Christoph Johannes

Bernhard Böhmer, Pretoria

Roland Christoph Johannes wurde am 4. Dezember 1979 als erstes Kind von Christoph und Edeltraut Johannes in Pietermaritzburg, KwaZulu-Natal, geboren. Die Familie lebte zunächst in Wartburg, wo er am 16. Dezember 1979 in der Christusgemeinde Kirchdorf von Pastor Peter Ahlers getauft wurde.

Aufnahmen geistlicher Chormusik, tägliche von Gesängen begleitete Andachten, wöchentliche liturgische Haupt- und Lehrgottesdienste, die jährlichen FELSISA Posaunen- und Sängerfeste und die Chorwochen der Südafrikanischen Heinrich-Schütz-Gesellschaft gehörten zu einem prägenden Umfeld. Als Nachfahre einer sowohl missionarisch als auch kirchenmusikalisch engagierten Familie sollten ihm die Kirchen- und Missionsgeschichte, die aktuelle Kirchenpolitik, die Kirchenmusikszene, ja, schlichtweg die Sache der Kirche in allen ihren Bereichen zeitlebens am Herzen liegen.

Schon in früher Kindheit zeigte sich seine künstlerische Begabung; mit großer Vorliebe fertigte er Bleistiftskizzen von den ihm auch später stets wichtigen Kirchen, Glocken, Altären, Kruzifixen und Orgeln an. Eine seiner Lieblingsbeschäftigungen als Kind war es, „Kirche“ zu spielen. Für die dazu nötige Gemeinde gewann er Geschwister, Verwandte, Freunde und auch Teddybären. Als Ältester in der Runde nahm er sich gern das Privileg heraus, gleichzeitig Glöckner, Organist und Pastor zu sein, womit die Jüngeren sich begnügen mussten.

Bedingt durch berufliche Wechsel seines Vaters, verbrachte Roland mit seinen Eltern und seiner drei Jahre jüngeren Schwester Brigitte zunächst etwa vier Jahre in Matatiele, einem Ort nahe der Grenze KwaZulu-Natals und der Ostkap. In dieser Zeit wurde sein Bruder Rainer geboren. Roland erhielt Klavierunterricht und begleitete bereits im 2. Schuljahr seine Klasse beim Singen. Da seine Klavierlehrerin auch Organistin war, führte sie ihn gleichzeitig an das Orgelspiel heran.

Mit 8 Jahren zog die Familie für 3 Jahre nach Vryheid. Rolands Liebe zur Musik wuchs, insbesondere sein Interesse am Orgelspiel. Er begann bald, die Gottesdienste der Gemeinde Vryheid auf der Orgel zu begleiten.

Im Jahr 1991 kehrte Roland in seine alte Heimat Wartburg zurück, wo er den Rest seiner Schulzeit verbrachte. Mit Hingabe wirkte er als geschätzter Organist in der Christusgemeinde Kirchdorf. Dort wurde er am 24. Oktober 1993 von Pastor Siegfried Köhne konfirmiert. Als Konfirmationsspruch erhielt er Johannes 8, 31-32: „Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“

Neben der Instrumentalmusik war Roland auch begeisterter Sänger und fand so den Weg zum überregionalen KwaZulu-Natal Youth Choir. Dieser Chor trat auch international auf und brachte Roland in Kontakt mit der europäischen Musikszene. Diese Erfahrungen sollten ihn tief prägen und halfen ihm, seine sängerischen Fähigkeiten weiterzuentwickeln.

Nach dem Schulabschluss verließ er das Elternhaus und begann 1998 ein Jurastudium an der Universität von Pretoria, das er im Jahr 2000 jedoch zugunsten eines Theologiestudiums abbrach. In der Arcadia Jugend setzte er sich aktiv für andere Jugendliche ein, obwohl ihn sein Engagement auch bisweilen emotional belastete. Als begeisterter Sportfreund galt seine Leidenschaft vor allem dem Rugby und Cricket, die einen gewissen Ausgleich boten. Im Jugendkomitee diente er in den Jahren 2000 und 2001 als geistlicher Leiter und plante mit dem Gemeindepastor Matthias Albers die wöchentlichen Jugendbibelstunden. Seine musikalischen Fähigkeiten blühten im Orgelunterricht weiter auf, und er diente als Organist in der St. Paulusgemeinde. Sängerisch beteiligte er sich im Gemeindechor, im Kammerchor Ars Nova und an den alljährlichen Chorwochen der Südafrikanischen Heinrich-Schütz-Gesellschaft, für die er viele andere aus dem Jugendkreis begeistern und gewinnen konnte. Überhaupt gelang es ihm, in vielen Menschen eine lebenslange Liebe zur geistlichen Barockmusik zu wecken.

Nach seinem Grundstudium an der Universität von Pretoria zog Roland Johannes nach Deutschland, das Theologiestudium in Oberursel und Tübingen fortzusetzen. Deutschland bot ihm eine reiche Auswahl an musikalischen Möglichkeiten, vom Bläserchor der St. Johannes-Gemeinde in Oberursel (SELK) bis zu dem von ihm besonders geschätzten Vocalensemble Rastatt und anderen Spitzenchören des Landes, in denen er sowohl als Sänger als auch als Continuospieler auf dem Orgelpositiv mitwirkte. 2010 lag die Gesamtleitung des SELK-Sprengelposaunenfestes Süd in seinen Händen.

In Oberursel lernte er Anna-Theresa Bartelt kennen, und sie heirateten am 17. September 2010. Ihnen wurden vier Kinder geschenkt: Noah (2011), Lea (2014), Ruben (2020) und Simeon (2022), über die er sich sehr freute und denen er sich stets liebevoll widmete.

Sein Theologiestudium schloss er 2013 erfolgreich ab, woraufhin die Familie nach Südafrika auswanderte. Nach absolviertem Vikariat in der Peter-Pauls-Gemeinde Lüneburg wurde er dort am 29. November 2014 ordiniert. Es folgte eine Berufung in die Our Saviour-Gemeinde, Wartburg. Pastor Johannes erwies sich als treuer Seelsorger, der nicht nur seiner Gemeinde, sondern auch darüber hinaus Menschen mit Rat und Tat zur Seite stand. Er versah sein Amt gewissenhaft nach den lutherischen Bekenntnisschriften. Seine Amtsbrüder schätzten sein Engagement auch auf synodaler Ebene.

Als erfahrener Orgelsachverständiger setzte er sich für die Erneuerung der in die Jahre gekommenen, meist elektrisch gesteuerten Orgeln in mehreren Gemeinden der FELSISA und darüber hinaus ein. Diese wurden in Zusammenarbeit mit dem Orgelbauer Jan Elsenaar durch mechanische Trakturen ersetzt, entweder als Neubauten oder als Umbauten bereits vorhandener, qualitativ hochwertiger Orgeln. Dabei war ihm immer die richtige Disposition der Orgeln wichtig, die er als Fachmann mitbestimmte.

2019 kehrte die Familie aus Südafrika nach Deutschland zurück. Pastor Johannes wechselte von der FELSISA in die SELK und wurde von der Kirchenleitung auf die vakante zweite Pfarrstelle der Martini-Gemeinde in Radevormwald entsandt. Nach Ableistung der Probezeit nahm er die Berufung der Gemeinde an. Die Einführung erfolgte am 19. September 2021 und er diente dieser Gemeinde als schrift- und bekenntnisgebundender lutherischer Pastor und Seelsorger. Auch dort setze er sich für die Kirchenmusik ein und war Mitorganisator hochkarätiger Aufführungen der Reihe „Musik in Martini“, an denen er auch mitwirkte.

Nachdem Mitte 2023 der erste Pastor der Martini-Gemeinde eine Berufung in die Zionsgemeinde Verden (SELK) angenommen hatte, fiel Pastor Johannes die gesamte Verantwortung für die seelsorgerische Betreuung der großen Gemeinde zu. Eine baldige Besetzung der zweiten Pfarrstelle war nicht abzusehen. Es kam zudem zu theologischen Konflikten zwischen der Gemeinde und ihm als Pastor, die ihn stark belasteten, wozu auch die Unsicherheit der aktuellen gesamtkirchlichen Konfliktlage der SELK beitrug. Auch andere Sorgen und Zukunftsängste trieben ihn um, und er hoffte auf einen Wechsel in einen anderen regionalen Teil der Kirche. Nach und nach erkrankte Pastor Johannes an einer schweren Depression, gegen die er heftig ankämpfte. Er behielt seine inneren Konflikte für sich, so dass kaum jemand etwas von seiner seelischen Not mitbekam. Als Folge seiner anhaltenden Depressionen setzte er am 21. Oktober 2024 im Alter von 44 Jahren seinem irdischen Leben ein tragisches Ende.

Unter großer kirchlicher Anteilnahme fand am 29. Oktober in der Kirche der Martini-Gemeinde in Radevormwald ein Trauergottesdienst statt. Die Urnenbeisetzung erfolgte am 9. November 2024 auf dem Friedhof der Peter-Pauls-Gemeinde Lüneburg in seiner Heimat Südafrika.

Um ihn trauern seine Frau Anna, seine vier Kinder, seine Eltern, seine Geschwister mit ihren Familien und viele Freunde, Verwandte und Bekannte in aller Welt, auf die er durch sein Leben und sein Wesen in all den Jahren segensreich gewirkt hat. Wir danken unserem himmlischen Vater und dem Herrn Jesus Christus für sein Leben und seinen großen Dienst an der Gemeinschaft der Heiligen. Er ruhe im Frieden der Kinder Gottes bis zur Auferstehung der Toten am Jüngsten Tag, und das ewige Licht leuchte ihm.

Sammlung zugunsten der Familie Johannes in Deutschland

Anna und die Kinder wohnen zurzeit aufgrund eines Mietvertrags weiterhin im Pastorenhaus in Radevormwald. Sie müssten sich jedoch bald eine neue Heimat finden. Ein gut gelegenes Haus steht bereits zur Verfügung, das aber zunächst umfassend saniert werden muss. Da es leider sehr teuer ist, wird jede Spende wirklich geschätzt.

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