Andacht

„Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“  Johannes 6, 68-69

In den vergangen Wochen sind diese Verse mir immer mal wieder ins Bewusstsein gerückt. Hans Beier hatte sich die Verse als Predigttext für seine Beerdigung ausgesucht. Pastor Christian Straeuli hat sie als Andacht für den 60. Geburtstag seines Vaters gebraucht.

Anfang Mai wird Bischof Reinstorf mit Missisonar Peter Weber nach Malawi fliegen, um dort 10 Tage mit Pastoren und Studenten der Lutherischen Kirche in Malawi in der theologischen Ausbildung mitzuwirken. Missionsdirektor Roger Zieger und ich werden ebenfalls in den Tagen nach Namibia fliegen, um uns dort mit ehemaligen Flüchtlingen zu treffen, die jetzt wieder in ihrer Heimat im Caprivi Streifen wohnen. Nach zwei Jahren Lockdown, sind das wieder die ersten Reisen in der missionarischen Ausbreitungsarbeit im südlichen Afrika durch der MLC. „Wohin sollen wir gehen?”

Diese Verse aus dem Johannes-Evangelium kommen aus dem „Brotkapitel”. Jesus sättigt eine große Menschenmenge mit nur wenigen Broten und etwas Fisch. Kein Wunder, dass sie ihn zum König machen wollen. Aber Jesus lässt sich nicht vereinnahmen, und führt die Menschen in ein immer tieferes Verständnis vom Brot des Lebens. Das Jesus sich mit Moses vergleichen konnte, war schon schlimm genug, aber, dass er dann auch noch seinen eigenen Leib zum Essen geben wollte, war schon nicht mehr anständig. Deswegen verlassen ihn jetzt viele, sind enttäuscht über die verschwendete Zeit und Hoffnung, die sie auf ihn gesetzt hatten. Manches, was Jesus gesagt und getan hat, hatte sich wirklich gut angehört, aber das gesamte „Package” ist schon eine Zumutung. Jesus fragt seine Jünger, ob sie auch gehen wollen. Petrus antwortet mit den Versen, die oben zitiert sind, und meint, sie hätten schon zu viel gesehen und verstanden, sie könnten nicht mehr weggehen. Es wird zwar noch eine Zeit geben, in der sie alle aus Angst, Verzweiflung und Trauer weglaufen werden, aber Jesus, der Auferstandende wird ihnen wieder begegnen und dann auch Petrus wieder in die Nachfolge rufen und ihn beauftragen, seine Schafe zu weiden.

Seitdem geht dieser Ruf in die Nachfolge Jesu immer wieder an Menschen. Egal, in welchem Lebensabschnitt man sich befindet, Jesus hat Worte des ewigen Lebens. Deswegen lohnt es sich auch, bis über den Tod hinaus bei ihm zu bleiben. Aber er hat nicht nur ein gutes Wort für uns am Ende unseres Lebens, sondern mitten drin, auch wenn wir den Eindruck haben, dass unser Alltag ausgefüllt ist, wollen wir doch nicht mehr auf sein Wort, auf seine Gegenwart und Freundlichkeit verzichten. Diese Erkenntnis, dass wir zu keinem Zeitpunkt in unserem Leben ohne Christus sein und bleiben wollen, erklärt auch, warum wir Christen an der missionarischen Ausrichtung der Kirche festhalten. Wenn wir selber wissen, was uns Halt und Hoffnung in diesem und im zukünftigen Leben gibt, wollen wir es auch keinem vorenthalten. Wir werden auch keine andere Hoffnung oder kein anderes Evangelium verkünden, als das, auf das wir uns selbst verlassen wollen.

Wir reagieren mit den Missionsreisen auf Anfragen von Kirchen oder Christen, die Hilfe und Unterstützung in der theologischen Ausbildung und Förderung brauchen, damit die Christen dort vor Ort besser Rechenschaft geben können über die Hoffnung, die in uns ist. In Mosambik und Malawi ist der Hunger nach Gottes Wort extrem groß.

Unser Umfeld dagegen wird immer mehr von einer säkularisierten Weltanschauung bestimmt. Das heißt vereinfacht, wir brauchen Gott und die Bibel immer weniger, um unsere Welt zu verstehen und zu erklären. Die wirkliche Gefahr besteht darin, dass wir dann meinen, Gott nicht mehr zu brauchen. Aus dieser Vernachlässigung wird ein Verlassen, vielleicht weniger, weil wir uns über Gott geärgert haben, sondern mehr, weil wir ihn verdrängt haben. Es ist eine wirkliche Herausforderung an uns Christen in einer solchen säkularisierten Welt die Botschaft, oder anders gesagt, die Hoffnung von Jesus Christus, so zu übersetzen, dass sie in unserer Zeit verstanden wird. Dafür ist es sinnvoll, dass wir erstmal selber erkennen, dass wir nirgendwo anders Hilfe oder Hoffnung finden, als bei Jesus Christus selbst. Dann geht es darum, in unserm Leben diesen Glauben und dieses Vertrauen auszuleben, damit wir glaubhafte Zeugen der Liebe Christi in unserem Umfeld sind.

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